Donnerstag, 31. März 2011

Toiletten - mein Tageswerk

CRASH konnte ein Haus in Iwate mieten, dass etwa eine Stunde von verschiedenen Orten ist, an denen Leute als freiwillige Helfer mitarbeiten. Letzte Nacht schliefen in den drei kleinen Zimmern 15 Leute und dementsprechend unruhig war die Nacht. Direkt auf dem Tatami ohne Futon schläft es sich auch etwas hart...
Aber es ist toll zu sehen, wie sich sowohl Japaner als auch Ausländer im Land einsetzen, um die Not zu lindern. Einige sind extra wegen der Katastrophe aus Amerika eingeflogen, um den Japanern beizustehen.
Katastrophenhilfe geschieht normalerweise in drei Schritten, den drei "Rs". Rescue (Rettung), relief (Hilfe, Linderung), rebuild (Wiederaufbau). Es ist erstaunlich, wie gut die Japaner auf diese Dinge vorbereitet sind. Es mag noch nicht überall klappen, aber besonders in den Regionen, in denen die Stadtverwaltung noch existiert, ist in den letzten drei Wochen schon unheimlich viel passiert. Das Militär hat die Rettungsarbeiten beendet und vielerorts wird schon Schutt weggebaggert. Viele haben die Notunterkünfte verlassen und es wurden temporäre Wohnungen gebaut, in die ab nächste Woche, die ersten Umsiedeln können. Die meisten Städte haben Programme für freiwillige Helfer, bei denen man sich morgens meldet und dann eingeteilt wird, Privatleuten zu helfen oder öffentliche Einrichtungen wieder zum Laufen zu bringen.
Heute Morgen ging es auch für uns wieder zur kleinen Baptistengemeinde. Einige Japaner aus Nagano (13 Stunden Autofahrt nach Süden) waren ebenfalls dort im Einsatz. Zusammen mit einigen fingen wir an, den Müll im Park zusammen zu suchen. Neben allem möglichen Plastik lag auch eine Holzhütte, eine Heizölabfüllanlage von einem Baumarkt, ein paar Metallhütten und ein Kerosintank herum. Ein Nachbar hat ein Loch in der Hauswand, da ein Auto während der Tsunami hineingerammt war. Den Müll schichtet man einfach entlang der Strasse auf. Dort wird er dann nach und nach abgeholt.
Für die Toilette musste man bisher mit dem Auto zur nächsten öffentlichen Toilette fahren. Die Toilette im Park schien jedoch noch recht gut in Takt, und so machte ich mich ans Werk sie wieder in Gang zu bringen. In einer Putzkammer fand ich Putzwerkzeuge und so konnte es losgehen. Zuerst musste der Schlamm raus (etwa 4 Schubkarren voll) und dann galt es mit dem Putzeimer alles abzuduschen und zu reinigen. Mit dem war ich dann die nächsten vier Stunden beschäftigt. Alles musste mühsam entschlammt werden (Spülkasten, Toilettenbecken, Pisoir, Wickeltisch, usw.) Am Ende war es dann geschafft und so hilft es nun nicht nur den Anwohnern sondern auch den Teams, die hier durchkommen.
In der Zwischenzeit hatte mein Kollege John die Toilette in der Gemeinde installiert (na ja doppelt hält besser). Allerdings fehlte es noch etwas an Privatsphäre, denn die Toilette hatte keine Wände mehr. So war ich die nächsten zwei Stunden beschäftigt, Rigipsplatten zuzuschneiden und anzubringen. Gott hat Gnade geschenkt, und so hat es heute einmal ohne große Probleme gepasst, obwohl ein paar schwierige Ecken an den Fenstern dabei waren.

Mittwoch, 30. März 2011

mittendrin

Mit meinem Kollegen John, der ebenfalls in Aomori arbeitet, ging es heute morgen früh los vom CRASH-Centre in Tono zu einem erneuten Einsatz nach Ofunato. Dort angekommen konnten wir etwas weiter am Gemeindehaus der Baptistengemeinde arbeiten. Doch nach zwei Stunden habe ich mich wieder in der Nachbarschaft umgeschaut, um dort zu helfen. Ein Gemeindeglied stellte mich wieder einem Nachbarn vor, so dass ich dort mitarbeiten konnte. Lastwagen vom Schlamm befreien, und zwar nicht nur von außen sondern auch von innen! Die Tsunami reichte bis unters Dach der Halle und das komplette Führerhaus der zwei LKWs war verschlammt. So spritzte ich hunderte von Liter Wasser in das Führerhaus um die Schlammschicht heraus zu bekommen. Zum Glück sind es ältere Modelle, die kaum elektronische Bausteine enthalten, so dass es noch Hoffnung gibt, sie zu reparieren. Am Nachmittag fuhr ich mit Martin in die Nachbarstadt Rikuzentakata. Das Ausmass der Zerstörung war unglaublich. Die Stadt hatte gerade erst letztes Jahr einer der besten Tsunami-Schutzwälle weltweit fertiggestellt. Leider reichte er nicht aus. Die 33.000 Einwohner Stadt war bis zu den Bergen hin komplett zerstört. Die Tsunami war so hoch, dass selbst der dritte Stock eines Hauses noch zerstört wurde.




Kilometerweit ein großes Geröllfeld, wie nach einem Bombenangriff. Wir hatten Informationen, dass es dort eine kleine Kirche gegeben hatte und waren auf der Suche, ob diese überlebt hat. Als wir nach der Adresse fragten, machte uns die Frau wenig Hoffnung, dass das Gebäude überlebt hätte. So fuhren wir durch die Schuttwüste, in der das Militär einige Straßen geräumt hatte, in der Hoffnung noch etwas anzutreffen. Die letzten Meter zu einem Hügel liefen wir zu Fuß, vor uns nur ein paar wenige Häuser, die hoch genug am Hang gebaut waren, um zu überleben. Ob gerade da die Kirche dabei sein wird. Doch tatsächlich, hat Gott das Gebäude bewahrt. Das Wasser stoppte am Parkplatz und schwemmte gerade noch ein Auto an, aber die Gemeinde hat nichts abbekommen. 
Dann trafen wir das Pastorenehepaar. Ein weiteres Beispiel von den Helden Japans. Beide schon längst im Pensionsalter begrüssten uns herzlich. Man konnte ihnen die leidvollen letzten Wochen abspüren, aber auch die Dankbarkeit und Freude, dass Gott sie bewahrt hat. Als die Tsunami kam flohen sie auf einen Berg und beteten, dass Gott ihre Gemeinde schützen solle. "Herr, stopp die Welle, wir müssen doch diesen Menschen, von Dir weitersagen!" Und Gott hat erhört. Obwohl sie kein Wasser, Strom, Toilette und Gas benutzen können, sind sie nach wenigen Tagen in das Haus zurück gekehrt, um den Menschen zu helfen, die dort um Hilfe fragen. Sie haben ein paar Lebensmittel von Freunden bekommen und verteilen diese an Bekannte und Nachbarn. Inmitten der Verwüstung, um sie herum, sorgen sie sich um andere. Und die Menschen um sie herum merken in dieser Not den Unterschied zwischen Buddhismus, der jeden einzelnen seinem Karma überlässt (zumindest von Seite der Tempel) und dem christlichen Glauben, der Menschen zur Fürsorge zueinander aufruft. 
Was mich heute fast zu Tränen berührt hat, war nicht etwa der Ausmass der Verwüstung, sondern die Erinnerung an Einzelschicksale. Der Pastor erzählte von einem Freund, der einen Kindergarten leitete. Auf der Flucht vor der Welle, mussten sie den Kindern vorauslaufen, damit diese ihnen folgen konnten. Sie ermahnten immer wieder nicht zurück zu schauen, sondern zu laufen, so schnell sie konnten. Leider sind einige der Kinder doch von der Aufregung  abgelenkt worden und haben es nicht mehr geschafft... 

Gott sei Dank, haben es die Kinder der Grundschule alle geschafft.
Wenn man die Verwüstung sieht, bleibt es ein Wunder, dass trotz allem nur 2.000 Leute und nicht 20.000 verunglückten.

Dienstag, 29. März 2011

relief work in Iwate - Schlamm

Seit heute ist es mir nun endlich möglich, in den von der Tsunami betroffenen Gebieten mitzuhelfen. Um 5.00 Uhr ging es los. Mit meinem Kollegen Martin sind wir zuerst zu amerikanischen Freunden nach Misawa gefahren. Diese Familie hat für die betroffenen Familien den halben Supermarkt leergekauft und gespendet. Unser Kleinbus war dann komplett voll. Von dort aus waren es nochmals 5 Stunden bis wir in Ofunato ankamen. Dort gibt es eine kleine Baptistengemeinde mit nur wenigen Mitgliedern. Nachdem die Tsunami im Gemeindehaus gewütet hatte, dachten die Christen, dass dies nun das Ende der Gemeinde ist. Das Wasser stand bis zu 2m im Gemeindehaus und hat viel Schlamm mit hineingespült. Das Gebäude war nach 12 Jahren gerade erst zurück bezahlt. In diese Situation hat Gott letzte Woche das erste OMF Team geleitet. Sie konnten in wenigen Tagen, die Gemeinde reinigen, die Rigipsplatten entfernen und heute konnten schon die neuen Fensterscheiben eingesetzt werden. Durch diesen Einsatz konnte nicht nur der Gemeinde Hoffnung gemacht werden, sondern über die Gemeinde, ist es nun auch möglich anderen zu helfen.
Eine Christin stellte mich Nachbarn als freiwilligen Helfer vor. Diese waren zuerst ablehnend, aber als sie hörten, dass wir Kontakte zur Gemeinde haben, war es kein Problem. So konnte ich einige Stunden mithelfen, eine Englischschule auszumisten, am wahrsten Sinn des Wortes. Die Gummistiefel sind fast im 5-10 cm Schlamm stecken geblieben. Vor den Häusern türmen sich Müllberge und wir haben auch fleißig dazu geworfen. Mülltrennung ist aufgehoben und sie fliegen Fernseher, Schreibtische, Türen, Bücher, Schlamm, usw. auf den gleichen Berg. Je näher man zum Meer geht, um so mehr sieht man die Kraft der Welle. Ein Auto liegt auf dem Balkon eines Hauses, ein Betonmischer ist in den Vorgarten eines Hauses geschwemmt, Häuser sind bis oben voll mit Treibhaus und anderem Müll. In den vergangenen zwei Wochen haben schon viele mit den Aufräumarbeiten begonnen, und so kann man sich nur ausmalen, wie es wirklich direkt nach der Flut aussah.
Das krasse ist wirklich, dass das Leben auf der einen Seite ganz normal weiter gehen, während auf der anderen Seite, Leute alles verloren haben. Schulkinder spielen zusammen auf der Strasse oder helfen praktisch mit und die einen gehen nach Hause und die anderen gehen in die Notunterkünfte, da die Eltern alles verloren haben. Während die einen Arbeiten gehen, kratzen andere den Schlamm aus ihren Häusern und werfen ihre Sachen auf den Müll.
Wenn in der gleichen Stadt die einen Abends baden, haben die anderen nicht mal Wechselkleider und manche versuchen tagsüber im Fluss die einzigen Kleider die ihnen noch geblieben sind, zu waschen, wie uns weitergegeben wurde.
Die Lebensmittel haben wir nicht direkt verteilt, sondern konnten sie zu einer Verteilstelle bringen, von der sie weitergeleitet werden. Insgesamt hat sich die Lage schon sehr verbessert und die Versorgung mit Benzin, etc. ist besser geworden. Für die Leute deren Häuser komplett zerstört wurden, bleibt es ein langer Weg zum normalen Leben zurück zu kehren. Die Häuser, die stehen geblieben sind, haben viele Schäden, aber es gibt auch Hoffnung, sie wieder aufzubauen.

Montag, 28. März 2011

Die dreifache Katastrophe in Japan - Gericht Gottes?

In verschiedenen christlichen Kreisen in Deutschland versucht man, die Ereignisse hier in Japan endzeitlich zu deuten. Es werden Ursachen für das Gericht Gottes an Japan gesucht, und manche kommen zu dem Ergebnis, dass der Grund in der Götzenverehrung, im zweiten Weltkrieg oder in der japanischen Sexindustrie liegt.
Mit solchen Spekulationen gilt es sehr vorsichtig zu sein! Jesus selbst nahm Bezug auf zwei aktuelle Situationen als er über das Gericht Gottes lehrte. Dabei stellt er aber nicht die Leute als Beispiel von Gottlosigkeit dar, sondern warnt uns, für unsere eigene Schuld Buße zu tun. "Meint ihr, diese Galiläer (die von Pilatus ermordet wurden) seien größere Sünder gewesen als andere Menschen in Galiläa?", fragte Jesus. "Glaubt ihr, dass sie deshalb leiden mussten? Ganz und gar nicht! Ihr werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht von euren bösen Wegen abkehrt und euch Gott zuwendet. Und was ist mit den achtzehn Männern, die starben, als der Turm von Siloah auf sie herabstürzte? Waren sie etwa die größten Sünder in Jerusalem? Nein. Ich sage euch noch einmal: Wenn ihr nicht Reue zeigt und auf eurem Weg umkehrt, werdet ihr genauso umkommen."
Übrigens sind die meisten Gerichtsankündigungen in der Bibel im Bezug auf sein Volk. Also wir, die wir die Gnade vom Kreuz kennen, müssen aufpassen, dass es nicht zur billigen Gnade wird, dass wir das leben, was wir glauben, den Waisen und Witwen beistehen und barmherzig sind mit den Menschen, um uns herum. Also die einzige Frage, die aus dieser Katastrophe herausgeht ist, wie es mit mir steht. Bin ich vorbereitet auf den Tod? Habe ich Frieden mit Gott?
In diesen Tagen gilt es nicht, mit dem Finger auf Japan zu zeigen, sondern wie Jesus als Mensch an unsere Seite gekommen ist, sollen auch wir bereit sein, an die Seite von notleidenden Menschen zu treten. In einer Schule mit 110 Kindern, sind die Hälfte der Kinder umgekommen oder vermisst. Die Eltern suchen nun vergeblich Trost, in dem sie nach Schultaschen oder sonstigen Andenken suchen. Als Christen heißt es für uns, mit den trauernden zu trauern und mit den weinenden zu weinen.

Update

Die aktuelle Gebetsliste von der Hilfsorganisation CRASH gibt es nun auch auf Deutsch! http://www.crashjapan.com/crashjapan/viewtopic.php?f=7&t=322&p=752
Bitte druckt Sie aus und benutzt sie in den Gemeinden zur konkreten Fürbitte.

Es bleibt schwierig die wirkliche Gefahr von Fukushima einzuschätzen. Einerseits gibt es zu viele Spekulationen und zu wenige Fakten, was wirklich in den Reaktoren passiert, andererseits sind die sogenannten wissenschaftlichen Untersuchungen über die Gesundheitsrisiken von erhöhter Strahlung sehr widersprüchlich. Ein Lehrer von mir sagte einmal, "Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe." Wenn man z.B. herausfinden möchte, wie viele Menschen aufgrund der Tschernobyl Katastrophe gestorben sind, findet man wissenschaftliche Untersuchungen, die von 50 Menschen ausgehen und andere, die Belege haben, dass es Millionen waren. Das hat leider wenig mit Wissenschaft, sondern viel mit Politik zu tun... Für uns als Mitarbeiter in Japan stellt sich nun die Frage, die Kollegen in anderen asiatischen Ländern wie Kambodscha, Vietnam oder China sich täglich stellen müssen: "Wie viele gesundheitlichen Risiken kann ich für meinen Auftrag, mir und meiner Familie zumuten?" Ich denke nach wie vor, dass die gesundheitlichen Risiken durch Dengue Fieber, Malaria, AIDS, Bandwürmer, usw. für viele Missionare wesentlich höher sind als für uns, atomar verstrahlt zu werden. Trotzdem werden die nächsten Wochen schwierig, diese Fragen als Ehepaar durch zu sprechen und klären, und dann so zu kommunizieren, dass es auch die weitere Familie und die sendenden Gemeinden in Deutschland verstehen können.

Das Webtagebuch von dem japanischen Pastor der Fukushima Baptistengemeinde, von dem ich in einem früheren Post geschrieben habe, wurde von einigen Mitarbeitern unserer Mission ins Englische übersetzt: original in English   dt. Übersetzung mit google Übersetzer (sehr holprige Übersetzung, aber man versteht das Wesentliche).
Wenn Ihr etwas Zeit habt, ist es wirklich sehr eindrücklich zu lesen. 60 der 180 Gemeindeglieder sind jetzt gemeinsam in die Nachbarpräfektur Yamagata gegangen. Ob sie jemals wieder in ihrer Gemeinde Gottesdienst feiern können? Wie sieht wohl die Zukunft dieser Stadt aus?

Ich konnte letzte Woche im ersten Stock unserer kleinen Gemeinde eine Küche in den vorherigen Wäscheraum einbauen. Somit ist die "Predigerswohnung" wieder voll nutzbar (letzten November hatten wir die Küche der Wohnung im Erdgeschoss zur Gemeindeküche umfunktioniert). Wir haben uns gemeldet, Unterkünfte für Menschen zu stellen, die alles verloren haben. Bisher kam noch keine Anfrage, aber die Räume sind nun soweit bereit, so dass sechs bis acht Leute kommen könnten.

Von Morgen bis Freitag werde ich in Iwate sein und in den betroffenen Gebieten mithelfen. Voraussichtlich werden wir den Gottesdienstraum einer Kirche renovieren und sonst mithelfen, wo Not am Mann ist. Heute sind auch einige japanische Pastoren unserer Region aufgebrochen, die Situation vor Ort zu sehen. Möge es Gott schenken, dass sich die Christen hier in Aomori auch einklinken.

Freitag, 25. März 2011

SMAP: "Wir glauben an die Kraft Japans!"

Gerade sah ich eine neue Fernsehwerbung mit den Sängern der berühmten japanischen Popband SMAP. Sie wollen den Menschen hier wieder neuen Mut machen. Ihre Botschaft: "Wir glauben an die Kraft Japans. Japan ist ein starkes Land, und wir werden es schaffen!"
Diese Worte erinnern mich an ein Email von einem Kollegen, der das Erdbeben und die Tsunami in Sendai nahe am Meer erlebt hatte. In den darauffolgenden Tagen war er oft im Einsatz, Leuten zu helfen, Wasser von der Ausgabestelle mit dem Auto nach Hause zu fahren. Er hatte unzählige Möglichkeiten, Gottes Liebe den Menschen praktisch zu zeigen und mit ihnen über das Erlebte und Gott zu sprechen. Am Ende seines Berichtes schrieb er: "Trotzdem lasst uns nicht vergessen, dass die Japaner mehr als alles, die Gute Nachricht von Jesus Christus brauchen."
Selbst in dieser großen Not, der größten Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg, sieht man bisher wenig davon, dass Menschen anfangen Gott zu suchen. Vielmehr orientiert man sich an den traditionellen Tugenden, mit Fleiß und Selbstdisziplin alles überwinden zu können. Dieser Stolz führte in den letzten Wochen dazu, dass Rettungsteams und Hilfe aus dem Ausland ineffektiv genutzt wurden und manche Helfer frühzeitig nach Hause zurückgekehrt sind. Er ist ein Grund dafür, dass beim Reaktorunglück, immer noch nicht alle möglichen weltweiten Ressourcen zur Lösung herbeigezogen werden. Dieser Stolz steht letztlich im Weg, die Hilfe Gottes - sein eigener Sohn Jesus Christus - anzunehmen. Auch ich denke, dass Japan stark ist und die Menschen leidensfähig und -willig sind, mehr als die meisten Völker dieser Welt. Und trotzdem ist es Dummheit in dieser Situation, nicht die Hilfe unseres Schöpfers zu erfragen und ihn zu suchen.

Nach der Tsunami - Was heisst das für uns Christen?

Ich habe gerade zur Predigtvorbereitung eine Broschüre von einem Theologen aus Sri Lanka gelesen. Er hat seine Erfahrungen der Tsunami, die an Weihnachten 2004 über Sri Lanka eingebrochen ist, biblisch reflektiert und niedergeschrieben. Er fordert uns Christen auf, - in Zeiten der nationalen Krise - biblisch zu handeln. Das Inhaltsverzeichnis, das an Prediger 3,4 angelehnt ist, ist schon eine Predigt für sich:
1. Trauern hat seine Zeit
2. Die Warum-Frage stellen hat seine Zeit
3. Arbeiten hat seine Zeit
4. Beten hat seine Zeit
5. Geben hat seine Zeit
6. Planen hat seine Zeit
7. Vorsichtig sein hat seine Zeit
8. Von Gott Trost empfangen hat seine Zeit und andere trösten hat seine Zeit

Besonders das erste Kapitel fand ich sehr eindrücklich. Er weist darauf hin, dass das Alte Testament voller Abschnitte ist, in denen Menschen über ihr persönliches Leid, aber auch über das Leid, das über das Land hereingebrochen ist, trauern, weinen und klagen. Auch wir, als Christen in Japan, dürfen und sollen über das Leid trauern und mit den Weinenden weinen. Die Liebenzeller Mission hat z.B. zum Zeichen der Solidarität und Trauer mit Japan eine japanische Flagge auf Halbmast gehisst.
Wenn wir als Christen seufzen und vielleicht sogar Gott anklagen, dürfen wir trotzdem wissen, dass er nicht fern ist, sondern mit uns mit leidet uns unsere Anliegen zum Gebet formuliert. ("Der Heilige Geist hilft uns in unserer Schwäche. Denn wir wissen ja nicht einmal, worum oder wie wir beten sollen. Doch der Heilige Geist betet für uns mit einem Seufzen, das sich nicht in Worte fassen lässt." Röm 8,26). Gott wird uns neu stärken, ihm vertrauen zu können, dass er alles in der Hand hält, und er wird uns auch die Kraft geben, an die Arbeit zu gehen.

Die 26-seitige Broschüre auf Englisch (in etwas angepasster Form) kann man unter dem folgenden Link kostenlos herunterladen:
http://www.rbc.org/uploadedfiles/Bible_Study/Discovery_Series/PDF/After_the_Hurricane.pdf

Donnerstag, 24. März 2011

Dann kam alles anders...

"Woher wollt ihr wissen, was morgen sein wird? Euer Leben gleicht doch dem Nebel am Morgen - schon nach kurzer Zeit ist er wieder verschwunden." Jakobus 4,14
Wie selten zu vor hatten wir bereits im Januar das ganze Jahr vor Augen mit vielen Terminen, Familienbesuche, OMF Termine in Kanto, Konferenzen, Weiterbildungen bis hin zu unserem Heimataufenthalt im April 2012.
Fest vorgenommen hatten wir uns, in Aviels Frühlingsferien zu Hause etwas auszuruhen und im April die Dinge morgens etwas langsam angehen zu lassen, wenn Josia in den Kindergarten kommt. Aber dann kam alles anders...
Heute ist Aviels Geburtstag. Das Fahrrad konnte ich bereits vor einigen Wochen besorgen, und auch ein Packet mit Geschenken aus Deutschland ist angekommen. Darin war auch Deko für den Geburtstagskuchen. Wer nun fehlt ist das Geburtstagskind. Gut, dass sie alle heute in Deutschland feiern und Aviel den Tag mit seinem Patenonkel und Verwandten verbringen kann. Zum Fahrradfahren wäre er heute, hier im Schnee auch nicht gekommen.

Das Planen fällt mir trotzdem schwer in diesen Tagen. Viele Termine sind wieder sehr relativ geworden. Viele Entschlüsse haben wieder ein Fragezeichen bekommen.

CRASH-Hilfe wird konkret

Nachdem letzte Woche in der Nähe von Sendai eine Basisstation von CRASH - dem christlichen Hilfswerk, mit dem die evangelische Allianz hier in Japan zusammenarbeitet - aufgebaut wurde, ist es meinen Kollegen Martin Ghent und John Elliot gelungen auch weiter nördlich in der Präfektur Iwate ein Haus zu mieten, von dem aus Hilfseinsätze getan werden können. Das erste Team mit acht OMFern von Hokkaido ist angekommen und hat Möglichkeiten gefunden, in Zusammenarbeit mit einer Gemeinde in einer "Suppenküche" mitzuhelfen. OMF hat sich verpflichtet für mindestens sechs Monate, regelmäßig Teams dort hinzuschicken. Als Mission ist uns die Region zwischen Aomori und Sendai schon lange ein Anliegen, aber Versuche eine Arbeit dort aufzubauen haben sich aus verschiedenen Gründen immer wieder verzögert. Nun hat uns Gott geradezu hineingestoßen.
John Elliot berichtet von der Stadt Ohzushi, die vor der Tsunami 16.000 Einwohner hatte. Nach dem Beben hat die Stadtverwaltung eine Notversammlung einberufen. Doch dann kam die Welle. Alle Leiter der Stadt sind tot, 10.000 Menschen werden vermisst, alle Akten zerstört. Die Stadt lag die ersten Tage völlig lahm und konnte nicht einmal richtig Hilfe anfordern.
Ein ausführlicher Bericht über die Lage vor Ort hat unser Feldleiter Wolfgang Langhans hier übersetzt oder kann man direkt im Englischen hier nachlesen.


Neben den verheerenden Verwüstungen im nordöstlichen Japan, sind auch weite Teile des Landes mit "normalen" Schäden betroffen. Das Beben und die vielen Nachbeben haben viele Fundamente untergraben und Straßen, Wege und Häuser verschoben. Häuser haben sich gesenkt, Gas-, Wasser- und Abwasserleitungen wurden dabei teilweise zerstört. Im Großraum Tokyo nahe des Disneylandes sind 4.000 Haushalte ohne Wasser und Gas, 13.000 können ihre Toiletten nicht mehr benutzten. Die Bevölkerung kann nun für wenig Geld in den Disneyhotels die öffentlichen Bäder (Onzen) benutzen.


Seit die ersten radioaktiven Strahlungen in Wasser, Milch und Gemüse gefunden wurde, hört man sehr wenig vom Atomkraftwerk. Selbst bei Verzehr sind die Werte für Erwachsene noch nicht gesundheitsschädlich, aber für Babys, stillende Mütter und Schwangere gilt es vorsichtig zu sein. Die Bauern in den Präfekturen Fukushima, Ibaraki und Gunma müssen Tonnen von Lebensmittel und Milch wegwerfen und selbst die Produkte, die strahlenfrei sind werden ihnen von den Händlern nicht mehr abgekauft.
Heute Morgen musste ich aus dem Nachrichtenemail der deutschen Welle erfahren, dass der Kampf, die Kernschmelze zu verhindern, ein großer Rückschlag hatte. (In den japanischen Nachrichten, war dies keine Meldung wert...) Wegen der hohen Radioaktivität musste das AKW vorerst evakuiert werden. Die effektivste Maschine, um Wasser in den Meiler zu pumpen ist im Moment eine 50 m hohe Betonpumpe made in Germany. 
Bitte betet weiterhin mit uns, dass sich die Situation nicht noch mehr verschärft. Es grenzt so schon fast an das Unmögliche, die bisherigen Schäden wieder aufzubauen. 
Bitte betet auch für Herr Sato, den Vizeminister für Verkehr und Infrastruktur. Er ist Christ und ein langjähriger Freund von amerikanischen Missionaren. Auf ihrer Webseite schreiben sie, dass er nicht nur von der Regierung die Verantwortung für die Lösung der Situation im Kernkraftwerk übertragen bekommen hat, sondern auch die Aufbauarbeiten der Infrastruktur in den betroffenen Gebieten leiten muss. Diese doppelte Last liegt sehr schwer auf ihm. Er und seine Frau, die in Übersetzungsprojekten von christlicher Literatur mitarbeitet, brauchen unsere Gebetsunterstützung. Gott hat diesen Mann nicht zufällig in dieses Amt gebracht, sondern will ihn gerade in solchen Krisenzeiten als Zeugnis in Japan benutzen (mehr Details hier).

Mittwoch, 23. März 2011

Wie kann man von Deutschland aus helfen?

In den letzten Tagen erreichten mich immer wieder Emails mit der Anfrage, wie man den helfen kann und wie man sicher gehen kann, dass das Geld nicht nur bei den Menschen ankommt, sondern dabei auch die Liebe Christi weitergegeben wird.
Wenn man über das Konto der ÜMG (Konto Nr.: 350 005 161 bei der Sparkasse Oberhessen (BLZ 518 50079)) eine Spende mit dem Verwendungszweck "Erdbeben Japan" macht, wird das Geld hier in Japan an die christliche Organisation Crash (siehe unten) weitergeleitet. 
Das Wetter ist weiterhin sehr kalt und es schneit. Da bleiben mir die Menschen in den Notunterkünften ein besonderes Gebetsanliegen. 



Auszug aus der Webseite der ÜMG (http://www.omf.org/deutschland):
Christliche Katastrophenhilfe läuft an
Die ÜMG in Japan arbeitet eng mit CRASH (Christian Relief, Assistance, Support and Hope), einem christlichen Netzwerk, zusammen. CRASH arbeitet eng zusammen mit der Japanischen Evangelischen Allianz. CRASH ist in der Lage, rasch, gezielt und fachmännisch Nothilfe zu leisten. Dadurch helfen sie den einheimischen Gemeinden, auf praktische und effektive Art Jesu Liebe weitergeben.
Nach ausgedehnten Erkundungen und Planungen konnte heute (17.3.) das erste Team mit Hilfsgütern nach Sendai aufbrechen. Der Kindergarten, in dem das Basislager eingerichtet wird, ist in 40 Kilometer Entfernung zu den nuklearen Reaktoren. Der Teamleiter Drew Glossen, der 2007 ein Erdbeben überlebte und damals selber Hilfe von CRASH erhielt, sagte über das Team: „Wir wollen endlich mit der Arbeit beginnen! Der Schnee macht uns etwas nervös, aber das Wetter ist im grossen und ganzen gut, also müsste alles klappen.“
Die Organisation „Feed the Hungry“ hat mittlerweile 500.000 Portionen Nahrung zur Verfügung gestellt, die durch das Basiscamp in Sendai an die Bevölkerung verteilt werden kann. Andere Organisation haben Hilfe versprochen. CRASH benötigt Mittel, um die Hilfe schnell zu den Opfern zu bringen.
Mittlerweile haben sich schon über 500 Missionare und japanische Christen bei CRASH zur Mitarbeit gemeldet.
Unterstützen Sie die Arbeit dieses Netzwerkes. Stichwort: "Erdbeben Japan"
Weitere Informationen finden Sie (auf Englisch) auf der Homepage der Organisation, sowie auf Facebook und auf Youtube.
http://www.youtube.com/user/crashjapan
http://www.facebook.com/crashjapan
http://crashjapan.com/

Dienstag, 22. März 2011

Umgang mit der Krise im japanischen Fernsehen

Die erste Woche nach dem Erdbeben sendeten alle fünf Fernsehprogramme rund um die Uhr Nachrichten über die Erdbebenopfer oder Analysen zum Reaktorunglück. Natürlich gab es ständig Meldungen über Tsunamiwarnungen und Nachbeben. Besonders eindrücklich empfanden wir es, dass die Namen und das Alter der Todesopfer in den ersten Tagen einzeln in den Untertiteln eingeblendet wurden. Mehr als 10.000 Todesopfer, ist nicht nur eine anonyme Masse von Menschen, sondern jeder einzelne lässt eine Familie zurück. Jeder einzeln wurde jäh aus dem Leben gerissen und seine Träume waren zu Ende. Der Ausmaß der Not ist in manchen Orten so groß, dass es nicht mehr möglich ist, jeden individuell zu bestatten. Deshalb hat der Staat Sondergenehmigungen erteilt, die Opfer in Massengräbern zu bestatten. Normalerweise ist in Japan die Feuerbestattung Gesetz.
Trotzdem kehrt nach und nach das Fernsehen zu den üblich schrillen Fernsehshows, den unzähligen japanischen Serien und der Werbung zurück. Nur noch der nationale Sender NHK sendet noch fast ausschließlich Berichterstattungen über die Katastrophe und aktuelle Nachrichten.


Gestern, am japanischen Feiertag zum Frühlingsanfang, wurde in sehr bewegender Weise von zwei Künstlern in einer Sendung die japanische Gefühlslage portraitiert. Zu einem bekannten japanischen Lied entstand das Bild mit den japanischen Schriftzeichen 一心 日本 während ein anderer Künstler ein Ikebana-Gesteck entwarf. Wörtlich übersetzt heißt es: "Japan - ein Herz" und bedeutet so viel, dass Japan in dieser Krise zusammen halten will und muss. Ob es ganz praktisch gelebt werden kann?
So wurden im Großraum Tokyo Toilettenpapier und Papiertaschentuch knapp wegen Hamsterkäufen. Diese sind aber besonders in den Erdbebengebieten von Nöten. Wie lange haben die Menschen im Norden Geduld, an den Tankstellen für 10 l Benzin Schlange zu stehen, weil das knappe Benzin so dringend für Soforthilfe benötigt wird?
Die Regierung hat sofort beruhigt, dass es keine Steuererhöhung geben wird, aber würde dies nicht gerade ein Zeichen der Solidarität sein?
Auch für uns Christen ist dies eine Herausforderung. Obwohl wir als Bezirksgemeinde (Itayanagi, Kanagi und Harvest) zusammen stehen wollen und mithelfen wollen, die Not zu lindern, war von der christlichen Einheit bei unserer jährlichen Mitgliederversammlung wenig zu spüren. Eine langjährige Meinungsverschiedenheit kam zum Eklat. Bitte betet, dass durch den Heiligen Geist die Einheit in den verschiedenen Gemeinden gestärkt wird, damit Kräfte nicht unnötig innerhalb den Gemeinden verbraucht werden.
Bitte betet auch, dass Japan mit Solidarität und Einheit diese Krise bewältigen kann und trotzdem spürt, dass sie den Schöpfer mit im Team brauchen.

Japaner helfen Japanern

Heute morgen bin ich sehr frustriert aufgewacht. Der elfte Tag nach dem Erdbeben, und es ist immer noch nicht möglich, praktisch mitzuhelfen. Die Hilfsorganisation, mit der wir zusammen arbeiten, ist nach wie vor im Aufbau und für das erste Team, das heute in die Nachbarpräfektur Iwate geht, wurden andere Missionare ausgewählt. Es macht keinen Sinn selbst mit dem Auto einfach dorthin zu fahren, denn ohne Benzin kommt man nicht mehr zurück. "Also wird dies wieder so ein ganz normaler Tag...", dachte ich beim Frühstück. "Lohnt es sich wirklich dafür, vier Wochen von meiner Familie getrennt zu sein?" Beim Emailabrufen las ich dann den unten übersetzten Artikel, der mich sehr ermutigte.
Gott arbeitet hier in Japan durch seine Gemeinde. Unsere Vision, dass Japaner die Liebe Christi zu anderen Japaner bringen, wird eben gerade jetzt, da viele Missionare ausgebremst sind, wahr. Wahrscheinlich ist es gerade gut, dass es Ausländern nicht möglich ist, sofort an vorderster Front zu sein. Wir sind in einer besonderen Zeit, in der unsere japanischen Geschwister wachsen können. Viele Missionare wurden von ihrer Missionsgesellschaft oder Botschaft nach Hause beordert, andere sind weit weg und selbst wenn sie wollen, haben sie es schwer vor Ort zu kommen. Aber Gott wirkt trotzdem oder gerade ganz besonders in dieser Not. Nun ist die Zeit, in der wir Ausländer in die zweite Reihe zurücktreten und unseren japanischen Geschwistern die Chance geben, Erfahrungen mit Gott zu machen. Ich bin sicher, dass der Heilige Geist mächtig in ihnen und durch sie wirken wird, wie der nachfolgende Bericht zeigt. Gott hat diese Gemeinde wunderbar auf diesen Tag vorbereitet und ihnen sowohl die nötigen Räumlichkeiten als auch erfahrene Leiter geschenkt. PTL!

Auszug aus der japanischen Website von Word of Life Ministries (http://jpnews.org/pc/modules/mysection/item.php?itemid=107) 21.3.2011 14.00 Uhr von Herr Nakata:

Die evangelische Christusgemeinde Hira in der Stadt Iwaki ist etwa 50-60 km entfernt vom Fukushima Atomkraftwerk. Seit dem Erdbeben ist die Gemeinde stark involviert die Not in der Region zu lindern.
Student Takahashi berichtet:

Das Gemeindehaus brannte bei einem Feuer im Dezember 2009 ab. Shohei Yamamoto, ein Gemeindeglied, verlor ebenfalls fast alles, jedoch hatte sein Vater ein Pachinko (Spielhalle), das dann zur Kirche umgebaut wurde. Im zweiten und dritten Stock entstanden Gemeinschaftsräume und eine Wohnung für den Pastor. Darüber hinaus hat das Gebäude drei Küchen, drei Toiletten und viele andere Räume. All diese Räume werden jetzt genutzt, um Vorräte zu lagern und Menschen eine Notunterkunft anzubieten.  Obwohl nach dem Erdbeben in der ganzen Stadt der Strom ausfiel und die Wasserversorgung zusammen gebrochen ist, gab es im Gemeindehaus weder mit Wasser noch mit Strom Probleme.

Die Gemeinde hat seit Jahren ein besonderes Anliegen, unter Studenten und jungen Menschen zu arbeiten. Yoshitaka Ikarashi, der ein christliches Internetradio gegründet hat, vereinigte letztes Jahr die Jugendarbeit verschiedener Gemeinden unter dem Namen "Love Revolution". Diese Initiative ist seitdem im ganzen Land unterwegs, um in Zusammenarbeit mit Gemeinden vor Ort, junge Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Dieses Kontaktnetzwerk ist nun eine große Stütze für die lokale Hilfe vor Ort geworden. Bereits beim Erdbeben in Niigata und in Sumatra haben sich einige Gemeinden eingeklinkt, Hilfsgüter zu sammeln, so dass dieses Mal schnell gehandelt werden konnte.

Herr Ikarashi und eine Gruppe von Christen konnten nun in kurzer Zeit eine Lebensmittel-Versorgungskette für Menschen in Not herstellen. Dazu benutzen sie die Lastwagen einer Firma, um Essen und gefiltertes Wasser zu den Notunterkünften in der Umgebung zu bringen.

Diese Gruppe von Christen handelt im Glauben und aus dem Gebet. Sie haben sich entschieden in der Stadt Iwaki zu bleiben, bis die Arbeit getan ist.

Gebetsanliegen:
1. Leute, die nicht aus dem Haus können, brauchen am meisten Unterstützung.
Die Gemeinde versucht besonders die alten Leute, die alleine leben, in Heimen oder im Krankenhaus sind, nicht zu vergessen.
2. Die notwendigen Bedürfnisse ändern sich über die Länge der Zeit.
Da die Infrastruktur immer noch nicht intakt ist, braucht es nach wie vor die Notversorgung mit Dosenessen, etc. Nach und nach wird es aber auch notwendig, Gemüse und frisch zubereitet Essen zu verteilen. Darüber hinaus hatten viele keine Möglichkeiten, in den letzten 10 Tagen zu duschen oder die Unterwäsche zu wechseln.
3.  Die Menschen müssen emotional betreut werden.
Damit Leute etwas zu tun haben, werden dringend Spielsachen, Bücher, etc. gesucht. Viele Japaner sind in Trauer um ihre Angehörigen und brauchen seelsorgerliche Unterstützung.
4. Offenheit für Christus
Viele Menschen sind sehr offen. Da ist keine Zurückhaltung, selbst wenn sie sich als Gemeindeglieder oder als Pastor vorstellen. Menschen sind offen, über ihr Leid zu sprechen oder sogar Gebet zu empfangen. Bitte betet, dass die Opfer des Erdbebens, Gottes Liebe erleben können. Bitte betet, dass die Christen sie von Herzen lieben können, wie Jesus sie liebt.

Montag, 21. März 2011

Informationen

Wer die Nachrichten in den letzten Tagen verfolgt hat, ist sicher erschrocken über die hohe Anzahl der Vermissten. Diese Zahl bewegt sich nach wie vor in den Zehntausenden. Es wird wahrscheinlich noch Monate dauern, bis wirklich klar wird, wer vermisst bleibt oder wer an anderen Orten im Land Zuflucht genommen hat. In Japan werden diese Leute als vermisst gelten bis ihr Tod bestätigt werden kann oder sie wieder registriert sind. Deshalb muss zu der Zahl der Todesopfer immer ein Großteil der Vermissten hinzugerechnet werden.

Wie durch ein Wunder sind nochmals zwei Leute nach 9 Tagen lebendig gefunden worden, eine alte Frau und ein 16-jähriger Junge.

Vorhin haben sie in den Nachrichten einen Link einer Webseite mitgeteilt, bei der man die momentane radioaktive Strahlung seiner Präfektur nachschauen kann. http://www.mext.go.jp/english/radioactivity_level/detail/1303986.htm
Ich kann jetzt sicher sein, dass das strahlende Wetter heute wirklich nur im natürlichen Sinn strahlend ist...

Hilfe für Iwate

In Hokkaido stehen freiwillige Helfer bereit, in der Nachbarprovinz Iwate mitzuhelfen, die Not zu lindern. Als erster Schritt muss allerdings eine Basis dort gefunden werden, von der aus die Helfer eingesetzt werden können. Gestern berichtete mir mein Kollege Martin, dass das Gebäude einer Baptistengemeinde, dass als zerstört geglaubt wurde (die Armee hatte das Gebiet abgeriegelt, so dass es niemand nachprüfen könnte), nun scheinbar doch noch intakt ist und als mögliche Basis benutzt werden kann. Von den wenigen Gemeindegliedern ist nur noch eine ältere Frau in einer Notunterkunft übrig geblieben, die anderen gelten als vermisst oder haben die Region verlassen. Heute sind Martin und John nochmals los gefahren, um diese Situation zu lösen. Sie haben eine spezielle Erlaubnis bekommen, die Autobahn zu benutzen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit höher, tanken zu können.
Die Präfektur Iwate ist flächenmäßig die größte Präfektur Japans (etwa die Größe von Israel) und hat die wenigsten Gemeinden. Kein einziger Missionar arbeitet zur Zeit in dieser Präfektur, um Gemeinden zu gründen!
Im Bezirksgottesdienst gestern bekamen wir erneut einen Eindruck vom Ausmaß der Verwüstung. Da sich die Armee besonders auf die größeren Städte konzentriert, sind viele kleine Orte noch ohne Hilfe. 
Eine kleine Gemeinde (16 Mitglieder) in der 60.000 Einwohner-Stadt Miyako hat das Erdbeben unbeschadet überstanden. Die Tsunami stoppte auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Pastor dieser Gemeinde ist jeden Tag von morgens bis abends in den Notunterkünften. Er massiert die Leute, spricht mit ihnen und versucht ihnen neuen Mut zu machen.

Trotz erhöhter Strahlung nüchtern bleiben

Ich habe das Vorrecht, etwa 400 km vom Atomkraftwerk entfernt zu wohnen. Wie ich von japanischen Freunden gehört habe, ist die radioaktive Strahlung hier im Normalbereich. Aber selbst bei erhöhten Werten in Tokyo und anderen Gegenden, muss man die Perspektive bewahren. Außerhalb der 30 km Zone um den Reaktor besteht weiterhin keine Gefahr für die Gesundheit. Man kann weiterhin die Wäsche draußen aufhängen, die Kinder können draußen spielen und selbst die erhöhten Werte in manchen Lebensmitteln aus der Prefektur Ibaraki heißen noch nicht, dass man sich gleich daran vergiftet. Die Gesundheitsrisiken in anderen Bereichen sind im Moment für die Japaner viel größer: Mehr als 200.000 Menschen harren in Notunterkünften aus. Es ist kalt, viele Menschen sind ohne Strom und können dadurch ihre Heizung nicht benutzen. Hier in unserer Region geht die Grippe durch Kindergärten und Schulen. Selbst die Gefahr von Unfällen, wenn Leute ihre Heimat verlassen, um sich in anderen Teilen in Japan in Sicherheit zu bringen, darf man nicht unterschätzen.
Für wenn wir uns wirklich Sorgen müssen, sind die Feuerwehrmänner, Techniker und Soldaten, die seit einer Woche im ständigen Einsatz sind, um das Schlimmste im Atomkraftwerk zu verhindern. Wir können Gott danken, dass es gestern gelungen ist, vier der sechs Blöcke wieder an das Stromnetz anzuschließen. Im Moment arbeiten sie fieberhaft daran die Pumpen und Rohre zu überprüfen, damit das Kühlsystem wenn möglich heute wieder eingeschaltet werden kann. Daneben gehen die Notmassnahmen am Block 3 weiter. Das Ziel ist 1000 Tonnen Wasser in den Reaktor zu bringen und gestern waren die Feuerwehrmänner 13 Stunden mit ständig wechselnder Besetzung im Einsatz. Zur Seite steht ihnen ein Zweig der Armee, der sich auf biologische Kriegsführung spezialisiert hat. "Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind und es ist schwierig fokussiert zu bleiben!", sagte heute ein Feuerwehrmann im Fernsehen. Um die Radioaktivität abzuhalten, tragen sie teilweise 22kg schwere Schutzkleider, die die inneren Organe vor der Radioaktivität schützen sollen.
Seit Beginn der Katastrophe schöpft Japan neue Hoffnung, dass der Kampf gegen den Super-Gau erfolgreich enden kann. Bitte betet mit, dass es wirklich gelingt.


Auch ich habe neue Zuversicht, dass meine Familie wie geplant am 14. April wieder zurück kommen kann und wir unseren Dienst hier in Japan gemeinsam fortsetzen können.

Sonntag, 20. März 2011

Leere Regale und geschlossene Tankstellen

Leere Regale sind für uns hier in Japan eine Neuheit.
Bisher waren die „convenient stores" (24 Stunden offene Minisupermärkte), immer bis zum Rand aufgefüllt. Trotzdem lernt man dabei neu schätzen, was sonst so selbstverständlich ist. Eine gute Lektion für uns und die Menschen hier.




Auch das Tanken ist eine Herausforderung geworden. Seit letzter Woche sind viele Tankstellen geschlossen. Oft öffnen sie nur für einige Stunden und es bilden sich lange Schlangen. Von Volltanken kann man nur noch träumen. Meist bekommt man nur 10-12 Liter. Allerdings wird sich die Situation wohl nächste Woche wieder bessern, da der Transport von Benzin auf die Schienen ausgelagert werden soll. An der Küste zum Japanischen Meer hat es kaum Schäden gegeben und so soll diese Route vorerst genutzt werden.
In der Nachbarprovinz Ivate ist es noch verheerender. Mein kanadischer Mitmissionar Martin Ghent versucht, eine Basis für ein Hilfswerk zu finden und aufzubauen. Morgen will er nochmals hinfahren, aber im Moment sind wir dran Benzinkanister zu sammeln, damit er dann auch wieder zurückkommen kann. Gestern konnte ich Ausnahmsweise 20 l bei ! einer kleinen Tankstelle im Ort bekommen. Auf den Preis schaut im Moment niemand mehr...

Ein Pastor auf der Suche nach seinen Gemeindegliedern

Jesus: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte opfert sein Leben für die Schafe. Ein Schäfer, der nur für Lohn arbeitet, läuft davon, wenn er einen Wolf kommen sieht. Er wird die Schafe im Stich lassen, weil sie ihm nicht gehören... Ich bin der gute Hirte; ich kenne meine Schafe und sie kennen mich... Ich gebe mein Leben für die Schafe." Joh 10,11-15
Pastor Sato ist der Leiter einer größeren Gemeinde in Fukushima. Die Gemeinde besteht aus der Muttergemeinde nahe dem Atomkraftwerk und drei weiteren Tochtergemeinden in der größeren Region. Einige seiner Gemeindeglieder arbeiten bei den Rettungsarbeiten im Reaktor mit. Nach dem Erdbeben und der Tsunami hat er sich auf den Weg gemacht, um nach seinen Gemeindegliedern zu schauen. Auf der Gemeindewebseite berichtet er:
Vielen Dank für eure Gebete. - Um Mitternacht des 15. März brachen meine Frau und ich gegen Norden auf, mit einer Wagenladung von Hilfsgütern. Nachdem die Polizei unsere Geschichte gehört hatte, bekamen wir eine besondere Erlaubnis, um Benzin zu kaufen. Immer, wenn wir ein Geschäft sahen, kauften wir, was wir kaufen konnten.
Auf dem Weg hatte sich die Straße zum Teil gesenkt; viele Häuser waren zerstört. Das Radio warnte uns, nicht in die Nähe der Atomkraftwerken zu gehen, weil es dort wieder Explosionen gegeben hatte. Wir entschieden uns jedoch, trotztem zu gehen. Zehn lange Stunden später erreichten wir endlich eine unserer Gemeinden (Aigu, am Berghang von Fukushima), wo wir eine Notunterkunft errichteten. Halleluja!
Über 60 Personen (ein Drittel unserer Mitglieder), die sich vor dem Tsunami retten konnten, kamen hinzu, nachdem sie auf Strahlung untersucht worden waren. Nachdem wir alle zusammen waren, hielten wir einen Gottesdienst. Ich hörte viele Menschen Schluchzen ... sie waren durch schwierige Zeiten gegangen! Viele sagten zueinander: "Wir sind am Leben."

Ausblick auf unsichere Zeiten

Unser Zigeunerleben hat erst begonnen. Wie viele von uns hatten nur, was sie am Leib trugen. Es hatte bisher keine Waschgelegenheit gegeben. Einige kamen ohne Essen oder Trinken. So begannen wir 60 unser gemeinsames Leben, alt und jung. Das erste, was wir nun dringend benötigen, sind nun Wasser und Benzin. Ich fühle mich wie Moses mit dem Volk Israel in der Wüste.
Vorläufig entschieden wir, weiter in den Norden gehen (Yonezawa, Präfektur Yamagata). Wir waren so dankbar, als wir als Flüchtlinge willkommen und aufgenommen wurden.
"Herr, beschütze deine Herde und den Rest, der überall verstreut war."
(Bericht zur Verfügung gestellt von Pastor Akira Sato von der Fukushima First Baptist Church; übersetzt von Joachim König)
Mittlerweile ist er sicher zurückgekehrt.

Samstag, 19. März 2011

Links zur Information

Um einen Eindruck zu bekommen, wie die Tsunami gewütet hat ist folgender Link sehr eindrücklich.
Man kann den Pfeil in der Mitte bewegen und sieht dann die gleiche Aufnahme vor und nach der Tsunami.
Satelitenbilder Japan vor und nach der Tsunami

Die Hilfsorganisation mit der fast alle christlichen Missionen zusammenarbeitet:
Crash

Hilfe ist notwendig

Nach wie vor sind 280.000 Japaner in Notunterkünften und es gibt immer noch Schwierigkeiten mit der Versorgung. Die größte Herausforderung ist, genügend Benzin und Heizöl in die betroffenen Gebiete zu bringen.
Bei einem Erdbeben vor einigen Jahren in Nigata gab es 68 Tote, davon kamen aber nur 16 direkt während des Erdbebens ums Leben. 52 starben in den nachfolgenden Tagen wegen übermäßigem Stress, weil sie in ihren Autos statt in den Notunterkünften übernachteten oder wegen Krankheit.
Deshalb ist es wichtig über die direkte Rettungsarbeiten hinaus, die hauptsächlich von der Armee und Spezialteams geleistet wurde, den betroffenen Menschen zur Seite zu stehen. Unsere Kollegen werden am Montag nochmals nach Iwate hineinfahren mit dem Ziel eine Basisstation für freiwillige Helfer zu errichten. Das wichtigste ist es nun in den nächsten Tagen genügend Benzin für die Fahrt hin und zurück aufzutreiben.
Auch laufen die ersten Aktionen an, Gastfamilien für betroffene Menschen zu finden, in denen sie vorübergehend Heimat finden können. Unser japanischer Gemeindeverband setzt sich besonders für diese Initiative ein. Okamoto San, ein junger Christ aus unserer Gemeinde, überlegt sich sein Haus zu öffnen. Auch in der Gemeinde hätten wir Räume, die wir für einige Zeit zur Verfügung stellen können.

Ansonsten geht das Leben in vielen Bereichen normal weiter. Trotz der Krise braucht unser Hund seinen Spaziergang, im Haushalt gibt es Arbeit und am Sonntag haben wir als Gemeindebezirk unsere jährliche Mitgliederversammlung. Die Bauarbeiten am Fluss hinter unserem Haus, dessen Bachbett bei starken Regenfällen im Sommer große Schäden hatten, wurden nach Plan abgeschlossen.

Interessanterweise reagieren viele Japaner in unserer Region auf die Gefahr einer Reaktorexplosion sehr gefasst. Ein Freund sagte mir, dass wenn dies das Schicksal von uns Japanern wird, dann werden sie es annehmen. Ein anderer Bekannter hat ein Buch gelesen, über einen Mann, der angeblich drei Jahre lang nichts gegessen hat. Er glaubt, dass selbst im schlimmsten Fall, er auch einige Zeit ohne Essen auskommt. Die Frage "Warum lässt Gott dies zu?", kommt nicht auf. Japaner haben kein Konzept von einem liebenden Gott und wenn sie davon hören, sind viele eher mit Dankbarkeit erfüllt, anstatt es kritisch zu hinterfragen.

Freitag, 18. März 2011

Fukushima 50 - die wahren Helden

Habt Ihr schon von den Fukushima 50 gehört. Das sind die 50 Arbeiter, die pro Schicht freiwillig ins Kernkraftwerk gehen, um das schlimmste zu verhindern. Sie sind im Moment die wahren Helden der Katastrophe.
Unter ihnen sind auch Christen und Männer, die christliche Ehefrauen haben. Ein Auszug aus den Gebetsanliegen von zwei Gemeinden:

Süd Izumo Gemeinde: Bitte betet für die christlichen Arbeiter, die die Kühlungsrohre des Atomkraftwerks reparieren: Herr Kisaka und Herr Sato.

Fukushima Baptisten Gemeinde:
Betet für Schwester Shibuyas Mann, der im AKW Nr. 1 ist.
Betet für Schwester Nakamuras Mann, der im AKW Nr. 1 ist.
Betet für Schwester Kitas Mann, der gestern zum AKW Nr. 2 aufgebrochen ist.
Yatsuo ist gerade auf dem Weg zum AKW Nr. 1 und Bruder Nishimura macht sich am Montag auf den Weg zum AKW 2.

Ein Stromkabel scheint erfolgreich verlegt worden zu sein und darauf stützen sich die Hoffnungen, dass mit dieser Energiequelle die Kühlung der Brennstäbe wieder in den Griff kommen kann.
Bitte betet mit uns, dass es gelingt und für die oben genannten Männer und Familien.

Nach wie vor wird die Gefahr von Experten sehr unterschiedlich eingeschätzt. Bei einer möglichen Explosion der Reaktoren gehen manche  in Deutschland von einer Verwüstung von 500 km im Umkreis aus. Die Briten haben auch die worst case scenarios durchgespielt mit dem Ergebnis, dass außerhalb einem Radius von 80 km, man mit Vorsichtsmaßnahmen wie im Haus bleiben, die Gesundheitsrisiken in Grenzen halten kann. Die normalerweise übervorsichtigen Japaner (Aviel muss in der Schule immer wieder wegen Ansteckungsgefahr der Grippe Maske tragen. Vor kurzem war drei Tage schulfrei, weil 5 Erstklässler Grippe hatten!), sehen immer noch keine Notwendigkeit über die 30 km hinaus zu evakuieren. Sind die Japaner naiv? Die Briten zu optimistisch? Die Deutschen zu pesimistisch und im Wahlkampf? Man weiß nicht, was man denken soll. Aber wir wissen uns in Gottes Hand!

Die Hilfsorganisation Crash, mit der wir zusammenarbeiten, hat die ersten Hilfslieferungen schicken können. Meine Kollegen Martin und John haben als Vorhut ihre erste Erkundungsfahrt in die von der Krise erschütterte Nachbarpräfektur Iwate beendet. Leider konnten sie bisher noch keine Basis ausfindig machen, von der her freiwillige Helfer sinnvoll eingesetzt werden können. Ein Gebetsanliegen bleibt es, japanische Kontaktpersonen zu finden, die Vertrauen schaffen können unter den betroffenen Menschen. Japaner tun sich selbst unter diesen krassen Umständen sehr schwer, von Fremden Hilfe anzunehmen. Betet, dass diese kulturellen Hindernisse überwunden werden können, damit Hilfe ankommen kann.


Persönlich erlebte ich heute sechs Ermutigungen.
1. Meine Internetverbindung geht wieder und ich muss nicht mehr über Iphone Emails schreiben.
2. Gemeindeglied Herr Okamoto kümmert sich ab heute, um den Hund unserer Kollegin, die nach Deutschland zurückgekehrt ist. 
3. Mein Reisepass, den Heike versehentlich mitgenommen hat, kam pünktlich vor dem Wochenende per Post an und ich konnte in Aomori Stadt den letzten Schritt meiner Visumverlängerung durchführen. 
4. Obwohl Heikes Visum während ihrer Zeit in Deutschland abläuft, kann sie wohl ohne Probleme wieder einreisen.
5. Obwohl ich beim ersten Versuch zu tanken, 30 Minuten gewartet habe und kein Benzin bekommen habe, hat es am Abend bei einer kleinen Tankstelle geklappt und mir wurden 13 wertvolle Liter eingefüllt...
6. Herr Abe kam zum Abendessen (Frikadellen, Sauerkraut und Kartoffelbrei) und ich konnte ihm nochmals ausführlich erklären, was es bedeutet Christ zu werden. Wegen dem Erdbeben wird er nun doch nicht versetzt, und so gibt es Hoffnung, dass es in diesem Jahr noch mehr Möglichkeiten gibt mit ihm über Jesus zu sprechen. Seiner Mutter in Sendai geht es trotz den Umständen gut.

Für Morgen habe ich unsere Kontakte zu einem Abend zum Thema "Hoffnung" eingeladen. Bitte betet, dass Leute trotz der Krise oder gerade wegen der Krise kommen und neue Hoffnung erleben. 

Donnerstag, 17. März 2011

Gut angekommen

Danke für alle Gebete in den letzten Tagen. Heike und die Kinder sind gut in Deutschland angekommen. Die Reise war mit drei kleinen Kindern sehr anstrengend. Aviel (6) hat während des 11 Stunden Fluges von Korea ständig gebrochen und so gut wie nichts getrunken. Aber Gott hat geholfen und so war er abends dann schon wieder fit und munter. Josia (1) hat die ganze Zeit die Mama belagert, so dass sie sich während dem Flug kaum bewegen konnte. Mögen sich alle in den nächsten Tagen gut erholen.

Die Situation hier bleibt angespannt, mit der großen Frage, ob die Kühlung der Reaktoren wieder ganz in den Griff kommt oder nicht. Weiterhin gibt es kein Benzin und im zwei Tages Rhythmus wird der Strom für einige Stunden abgestellt, um die Versorgung der Krisengebiete sicher zu stellen (heute hat es scheinbar gereicht und so wurden wir nicht vom Netz genommen). Unser Teamleiter Martin Ghent ist gestern mit John Elliot in die Präfektur Iwane gefahren, um Möglichkeiten der Hilfe auszuchecken. Da die Versorgung der Notunterkünfte immer noch Schwierigkeiten bereitet, muss ein Einsatz sehr sorgfältig geplannt sein. Sonst sind freiwillige Helfer eher Last als Hilfe. 
So fühle ich mich wie ein Spieler auf der Ersatzbank, der im Moment nur sehr wenig tun kann.

Mittwoch, 16. März 2011

Heike und Kinder auf dem Heimweg

Nachdem es gestern weitere Brände im Reaktor gab und Familie und Freunde in Deutschland immer unruhiger wurden, haben sich Heike und die Kinder zusammen mit unserer Kollegin auf den Weg nach Deutschland gemacht.
Um 9.15 Uhr haben sie Japan verlassen und werden 17.40 Uhr in Frankfurt ankommen.
Bitte betet für die lange Reise. Wir haben den Flug sehr kurzfristig gebucht und noch auf der Fahrt zur Fähre war es nicht klar, ob die Webseite unsere Kreditkarte akzeptiert. Heike ist also nach einem chaotischen Tag, zuerst nach Aomori gefahren (2 Stunden), dann Fähre (4 Stunden), Ankunft in Hakkodate 2.20Uhr heute Nacht. Danach 4 Stunden Fahrt nach Sapporo. Jetzt liegt ein 16 Stundenflug vor ihr und dann die Heimfahrt von Frankfurt.
Mit drei Kindern wird das herausfordernd....

Betet bitte für die Japaner. Nachbeben gehen weiter. Gestern bis Stärke 6.4. Schlimmste Krise seit 2. Weltkrieg!

Armin