Samstag, 19. März 2011

Hilfe ist notwendig

Nach wie vor sind 280.000 Japaner in Notunterkünften und es gibt immer noch Schwierigkeiten mit der Versorgung. Die größte Herausforderung ist, genügend Benzin und Heizöl in die betroffenen Gebiete zu bringen.
Bei einem Erdbeben vor einigen Jahren in Nigata gab es 68 Tote, davon kamen aber nur 16 direkt während des Erdbebens ums Leben. 52 starben in den nachfolgenden Tagen wegen übermäßigem Stress, weil sie in ihren Autos statt in den Notunterkünften übernachteten oder wegen Krankheit.
Deshalb ist es wichtig über die direkte Rettungsarbeiten hinaus, die hauptsächlich von der Armee und Spezialteams geleistet wurde, den betroffenen Menschen zur Seite zu stehen. Unsere Kollegen werden am Montag nochmals nach Iwate hineinfahren mit dem Ziel eine Basisstation für freiwillige Helfer zu errichten. Das wichtigste ist es nun in den nächsten Tagen genügend Benzin für die Fahrt hin und zurück aufzutreiben.
Auch laufen die ersten Aktionen an, Gastfamilien für betroffene Menschen zu finden, in denen sie vorübergehend Heimat finden können. Unser japanischer Gemeindeverband setzt sich besonders für diese Initiative ein. Okamoto San, ein junger Christ aus unserer Gemeinde, überlegt sich sein Haus zu öffnen. Auch in der Gemeinde hätten wir Räume, die wir für einige Zeit zur Verfügung stellen können.

Ansonsten geht das Leben in vielen Bereichen normal weiter. Trotz der Krise braucht unser Hund seinen Spaziergang, im Haushalt gibt es Arbeit und am Sonntag haben wir als Gemeindebezirk unsere jährliche Mitgliederversammlung. Die Bauarbeiten am Fluss hinter unserem Haus, dessen Bachbett bei starken Regenfällen im Sommer große Schäden hatten, wurden nach Plan abgeschlossen.

Interessanterweise reagieren viele Japaner in unserer Region auf die Gefahr einer Reaktorexplosion sehr gefasst. Ein Freund sagte mir, dass wenn dies das Schicksal von uns Japanern wird, dann werden sie es annehmen. Ein anderer Bekannter hat ein Buch gelesen, über einen Mann, der angeblich drei Jahre lang nichts gegessen hat. Er glaubt, dass selbst im schlimmsten Fall, er auch einige Zeit ohne Essen auskommt. Die Frage "Warum lässt Gott dies zu?", kommt nicht auf. Japaner haben kein Konzept von einem liebenden Gott und wenn sie davon hören, sind viele eher mit Dankbarkeit erfüllt, anstatt es kritisch zu hinterfragen.

1 Kommentar:

Josef hat gesagt…

Hallo,

einfach unglaublich, was sich gerade in Japan abspielt, dieses riesen Ausmaß der Zerstörung. Es macht mich auch sehr traurig, einerseits wenn ich an das Schiksal der vielen betroffenen Menschen denke, andererseits über die Einstellung der Japaner im Bezug auf Gott. Sicher ist es eine gute Chance gerade in dieser Situation mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Beziehungen zu knüpfen oder bestehende zu festigen. Das wünsche ich euch auf jeden Fall und bete dafür.
Ich habe gehört, das es in Japan weniger als 1% Christen gibt, da habe ich mich gefragt, ob das ein Gericht Gottes bzw. die Konsequenz der Abwesenheit Gottes im Leben dieser Menschen ist. Eigentlich hatte ich immer den Eindruck, das die Japaner sehr offen und freundlich anderen Kulturen/ Denkweisen gegenüber sind, da wunderte es mich eben so sehr, das es so wenige Christen oder Gemeinden gibt.