Dienstag, 22. März 2011

Japaner helfen Japanern

Heute morgen bin ich sehr frustriert aufgewacht. Der elfte Tag nach dem Erdbeben, und es ist immer noch nicht möglich, praktisch mitzuhelfen. Die Hilfsorganisation, mit der wir zusammen arbeiten, ist nach wie vor im Aufbau und für das erste Team, das heute in die Nachbarpräfektur Iwate geht, wurden andere Missionare ausgewählt. Es macht keinen Sinn selbst mit dem Auto einfach dorthin zu fahren, denn ohne Benzin kommt man nicht mehr zurück. "Also wird dies wieder so ein ganz normaler Tag...", dachte ich beim Frühstück. "Lohnt es sich wirklich dafür, vier Wochen von meiner Familie getrennt zu sein?" Beim Emailabrufen las ich dann den unten übersetzten Artikel, der mich sehr ermutigte.
Gott arbeitet hier in Japan durch seine Gemeinde. Unsere Vision, dass Japaner die Liebe Christi zu anderen Japaner bringen, wird eben gerade jetzt, da viele Missionare ausgebremst sind, wahr. Wahrscheinlich ist es gerade gut, dass es Ausländern nicht möglich ist, sofort an vorderster Front zu sein. Wir sind in einer besonderen Zeit, in der unsere japanischen Geschwister wachsen können. Viele Missionare wurden von ihrer Missionsgesellschaft oder Botschaft nach Hause beordert, andere sind weit weg und selbst wenn sie wollen, haben sie es schwer vor Ort zu kommen. Aber Gott wirkt trotzdem oder gerade ganz besonders in dieser Not. Nun ist die Zeit, in der wir Ausländer in die zweite Reihe zurücktreten und unseren japanischen Geschwistern die Chance geben, Erfahrungen mit Gott zu machen. Ich bin sicher, dass der Heilige Geist mächtig in ihnen und durch sie wirken wird, wie der nachfolgende Bericht zeigt. Gott hat diese Gemeinde wunderbar auf diesen Tag vorbereitet und ihnen sowohl die nötigen Räumlichkeiten als auch erfahrene Leiter geschenkt. PTL!

Auszug aus der japanischen Website von Word of Life Ministries (http://jpnews.org/pc/modules/mysection/item.php?itemid=107) 21.3.2011 14.00 Uhr von Herr Nakata:

Die evangelische Christusgemeinde Hira in der Stadt Iwaki ist etwa 50-60 km entfernt vom Fukushima Atomkraftwerk. Seit dem Erdbeben ist die Gemeinde stark involviert die Not in der Region zu lindern.
Student Takahashi berichtet:

Das Gemeindehaus brannte bei einem Feuer im Dezember 2009 ab. Shohei Yamamoto, ein Gemeindeglied, verlor ebenfalls fast alles, jedoch hatte sein Vater ein Pachinko (Spielhalle), das dann zur Kirche umgebaut wurde. Im zweiten und dritten Stock entstanden Gemeinschaftsräume und eine Wohnung für den Pastor. Darüber hinaus hat das Gebäude drei Küchen, drei Toiletten und viele andere Räume. All diese Räume werden jetzt genutzt, um Vorräte zu lagern und Menschen eine Notunterkunft anzubieten.  Obwohl nach dem Erdbeben in der ganzen Stadt der Strom ausfiel und die Wasserversorgung zusammen gebrochen ist, gab es im Gemeindehaus weder mit Wasser noch mit Strom Probleme.

Die Gemeinde hat seit Jahren ein besonderes Anliegen, unter Studenten und jungen Menschen zu arbeiten. Yoshitaka Ikarashi, der ein christliches Internetradio gegründet hat, vereinigte letztes Jahr die Jugendarbeit verschiedener Gemeinden unter dem Namen "Love Revolution". Diese Initiative ist seitdem im ganzen Land unterwegs, um in Zusammenarbeit mit Gemeinden vor Ort, junge Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Dieses Kontaktnetzwerk ist nun eine große Stütze für die lokale Hilfe vor Ort geworden. Bereits beim Erdbeben in Niigata und in Sumatra haben sich einige Gemeinden eingeklinkt, Hilfsgüter zu sammeln, so dass dieses Mal schnell gehandelt werden konnte.

Herr Ikarashi und eine Gruppe von Christen konnten nun in kurzer Zeit eine Lebensmittel-Versorgungskette für Menschen in Not herstellen. Dazu benutzen sie die Lastwagen einer Firma, um Essen und gefiltertes Wasser zu den Notunterkünften in der Umgebung zu bringen.

Diese Gruppe von Christen handelt im Glauben und aus dem Gebet. Sie haben sich entschieden in der Stadt Iwaki zu bleiben, bis die Arbeit getan ist.

Gebetsanliegen:
1. Leute, die nicht aus dem Haus können, brauchen am meisten Unterstützung.
Die Gemeinde versucht besonders die alten Leute, die alleine leben, in Heimen oder im Krankenhaus sind, nicht zu vergessen.
2. Die notwendigen Bedürfnisse ändern sich über die Länge der Zeit.
Da die Infrastruktur immer noch nicht intakt ist, braucht es nach wie vor die Notversorgung mit Dosenessen, etc. Nach und nach wird es aber auch notwendig, Gemüse und frisch zubereitet Essen zu verteilen. Darüber hinaus hatten viele keine Möglichkeiten, in den letzten 10 Tagen zu duschen oder die Unterwäsche zu wechseln.
3.  Die Menschen müssen emotional betreut werden.
Damit Leute etwas zu tun haben, werden dringend Spielsachen, Bücher, etc. gesucht. Viele Japaner sind in Trauer um ihre Angehörigen und brauchen seelsorgerliche Unterstützung.
4. Offenheit für Christus
Viele Menschen sind sehr offen. Da ist keine Zurückhaltung, selbst wenn sie sich als Gemeindeglieder oder als Pastor vorstellen. Menschen sind offen, über ihr Leid zu sprechen oder sogar Gebet zu empfangen. Bitte betet, dass die Opfer des Erdbebens, Gottes Liebe erleben können. Bitte betet, dass die Christen sie von Herzen lieben können, wie Jesus sie liebt.

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