Montag, 21. März 2011

Trotz erhöhter Strahlung nüchtern bleiben

Ich habe das Vorrecht, etwa 400 km vom Atomkraftwerk entfernt zu wohnen. Wie ich von japanischen Freunden gehört habe, ist die radioaktive Strahlung hier im Normalbereich. Aber selbst bei erhöhten Werten in Tokyo und anderen Gegenden, muss man die Perspektive bewahren. Außerhalb der 30 km Zone um den Reaktor besteht weiterhin keine Gefahr für die Gesundheit. Man kann weiterhin die Wäsche draußen aufhängen, die Kinder können draußen spielen und selbst die erhöhten Werte in manchen Lebensmitteln aus der Prefektur Ibaraki heißen noch nicht, dass man sich gleich daran vergiftet. Die Gesundheitsrisiken in anderen Bereichen sind im Moment für die Japaner viel größer: Mehr als 200.000 Menschen harren in Notunterkünften aus. Es ist kalt, viele Menschen sind ohne Strom und können dadurch ihre Heizung nicht benutzen. Hier in unserer Region geht die Grippe durch Kindergärten und Schulen. Selbst die Gefahr von Unfällen, wenn Leute ihre Heimat verlassen, um sich in anderen Teilen in Japan in Sicherheit zu bringen, darf man nicht unterschätzen.
Für wenn wir uns wirklich Sorgen müssen, sind die Feuerwehrmänner, Techniker und Soldaten, die seit einer Woche im ständigen Einsatz sind, um das Schlimmste im Atomkraftwerk zu verhindern. Wir können Gott danken, dass es gestern gelungen ist, vier der sechs Blöcke wieder an das Stromnetz anzuschließen. Im Moment arbeiten sie fieberhaft daran die Pumpen und Rohre zu überprüfen, damit das Kühlsystem wenn möglich heute wieder eingeschaltet werden kann. Daneben gehen die Notmassnahmen am Block 3 weiter. Das Ziel ist 1000 Tonnen Wasser in den Reaktor zu bringen und gestern waren die Feuerwehrmänner 13 Stunden mit ständig wechselnder Besetzung im Einsatz. Zur Seite steht ihnen ein Zweig der Armee, der sich auf biologische Kriegsführung spezialisiert hat. "Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind und es ist schwierig fokussiert zu bleiben!", sagte heute ein Feuerwehrmann im Fernsehen. Um die Radioaktivität abzuhalten, tragen sie teilweise 22kg schwere Schutzkleider, die die inneren Organe vor der Radioaktivität schützen sollen.
Seit Beginn der Katastrophe schöpft Japan neue Hoffnung, dass der Kampf gegen den Super-Gau erfolgreich enden kann. Bitte betet mit, dass es wirklich gelingt.


Auch ich habe neue Zuversicht, dass meine Familie wie geplant am 14. April wieder zurück kommen kann und wir unseren Dienst hier in Japan gemeinsam fortsetzen können.

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