Dienstag, 22. März 2011

Umgang mit der Krise im japanischen Fernsehen

Die erste Woche nach dem Erdbeben sendeten alle fünf Fernsehprogramme rund um die Uhr Nachrichten über die Erdbebenopfer oder Analysen zum Reaktorunglück. Natürlich gab es ständig Meldungen über Tsunamiwarnungen und Nachbeben. Besonders eindrücklich empfanden wir es, dass die Namen und das Alter der Todesopfer in den ersten Tagen einzeln in den Untertiteln eingeblendet wurden. Mehr als 10.000 Todesopfer, ist nicht nur eine anonyme Masse von Menschen, sondern jeder einzelne lässt eine Familie zurück. Jeder einzeln wurde jäh aus dem Leben gerissen und seine Träume waren zu Ende. Der Ausmaß der Not ist in manchen Orten so groß, dass es nicht mehr möglich ist, jeden individuell zu bestatten. Deshalb hat der Staat Sondergenehmigungen erteilt, die Opfer in Massengräbern zu bestatten. Normalerweise ist in Japan die Feuerbestattung Gesetz.
Trotzdem kehrt nach und nach das Fernsehen zu den üblich schrillen Fernsehshows, den unzähligen japanischen Serien und der Werbung zurück. Nur noch der nationale Sender NHK sendet noch fast ausschließlich Berichterstattungen über die Katastrophe und aktuelle Nachrichten.


Gestern, am japanischen Feiertag zum Frühlingsanfang, wurde in sehr bewegender Weise von zwei Künstlern in einer Sendung die japanische Gefühlslage portraitiert. Zu einem bekannten japanischen Lied entstand das Bild mit den japanischen Schriftzeichen 一心 日本 während ein anderer Künstler ein Ikebana-Gesteck entwarf. Wörtlich übersetzt heißt es: "Japan - ein Herz" und bedeutet so viel, dass Japan in dieser Krise zusammen halten will und muss. Ob es ganz praktisch gelebt werden kann?
So wurden im Großraum Tokyo Toilettenpapier und Papiertaschentuch knapp wegen Hamsterkäufen. Diese sind aber besonders in den Erdbebengebieten von Nöten. Wie lange haben die Menschen im Norden Geduld, an den Tankstellen für 10 l Benzin Schlange zu stehen, weil das knappe Benzin so dringend für Soforthilfe benötigt wird?
Die Regierung hat sofort beruhigt, dass es keine Steuererhöhung geben wird, aber würde dies nicht gerade ein Zeichen der Solidarität sein?
Auch für uns Christen ist dies eine Herausforderung. Obwohl wir als Bezirksgemeinde (Itayanagi, Kanagi und Harvest) zusammen stehen wollen und mithelfen wollen, die Not zu lindern, war von der christlichen Einheit bei unserer jährlichen Mitgliederversammlung wenig zu spüren. Eine langjährige Meinungsverschiedenheit kam zum Eklat. Bitte betet, dass durch den Heiligen Geist die Einheit in den verschiedenen Gemeinden gestärkt wird, damit Kräfte nicht unnötig innerhalb den Gemeinden verbraucht werden.
Bitte betet auch, dass Japan mit Solidarität und Einheit diese Krise bewältigen kann und trotzdem spürt, dass sie den Schöpfer mit im Team brauchen.

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