Montag, 25. April 2011

"Mama, wo bist Du?"

 Hunderte von Kindern haben ihre Eltern am 11. März aufgrund des Erdbeben und der Tsunami im Nordosten Japans verloren. Viele dieser Waisen schauen täglich aufs Meer hinaus und warten scheinbar darauf, dass sie wieder mit ihren Eltern zusammen kommen können. Manche von ihnen, lächeln mehr als üblich, als ob sie versuchen wollen die Einsamkeit zu vertreiben.
Manami ist ein Mädchen unter vielen, deren Eltern am 11. März starben oder vermisst sind. Sie war im Kindergarten, als das Erdbeben passierte. Ihre Mutter holte sie sofort ab und brachte sie nach Hause. Dieses war auf einer Anhöhe gebaut, direkt neben einer Grundschule, die als Platz ausgewiesen war zu dem Leute bei Tsunamiwarnungen fliehen können. Aber die Tsunami mit über 30 Metern Höhe überflutete mit einer Schlammlawine sogar diesen "sicheren" Ort. Manamis Eltern und ihre 2jährige Schwester wurden von der Welle mitgerissen. Nur Manami überlebte. Ihr Kindergartenrucksack hatte sich in einem Fischernetz verfangen, was ihre Rettung war. Aber erst eine Woche später fand sie ihre Großmutter in einer Notunterkunft. Sie war erschrocken, wie sehr ihre Enkeltochter gelitten hatte. "Sie schaute schweigend traurig vor sich hin. Ich dachte, sie hatte vergessen, wie man sprechen kann."
Zehn Tage nach der Flut, sagte Manami plötzlich, dass sie einen Brief an ihre Mami schreiben will. Sie öffnete ein Heft, suchte sich einen Buntstift aus und fing an in Hiragana, das sie erst kürzlich gelernt hatte, zu schreiben.
Über eine Stunde hinweg schrieb sie den folgenden Brief:

Liebe Mami,
Ich hoffe, Du lebst.
Geht es Dir gut?


Kurz darauf schlief sie ein. 

Die vierjährige Manami hat nach einer Weile wieder angefangen zu lächeln, aber sie möchte nicht in die Nähe ihres zerstörten Elternhauses gehen. Manchmal huscht ein Schatten des Schmerzes über ihr Gesicht. Ihre Großmutter möchte die Kleine zu sich nach Hause nehmen, aber diese weigert sich. "Ich warte hier, bis mich meine Mama abholt!", sagt sie. "Wird Papa bald anrufen?", fragt sie, während sie das eingeschaltete Handy ihres Vaters fest in ihren Händen hält.

(Quelle: Yomiuri News, http://www.yomiuri.co.jp/dy/national/T110331005873.htm)

Ostern in Japan

Auch dieses Jahr war von Ostern, wieder sehr wenig in Japan zu spüren. Karfreitag und Ostermontag sind hier normale Arbeitstage. Dieses Jahr war es noch schlimmer als die vorigen Jahre, da unser ältester Sohn sogar am Ostersonntag Schule hatte. Am Anfang des Schuljahres, das in Japan im April beginnt, gibt es für alle Schulkinder ärztliche Untersuchungen. Der Augenarzt, konnte auch dieses Jahr nur am Sonntag und so wurde der Dienstag mit dem Sonntag getauscht. Am heutigen Ostermontag war Besuchstag der Eltern in der Schule. Da das Wetter zudem sehr regnerisch war, fiel es uns dieses Jahr schwer so richtig in Osterstimmung zu kommen.
Trotzdem hatten wir letzten Freitag eine gut besuchte Osterjungschar, am Samstag haben wir als Familie etwas verfrüht die Auferstehung gefeiert und in der Gemeinde feierten wir Gottesdienst mit anschließendem Sobaessen (japanische Nudelsuppe). Deutsche Ostereier und Osterlämmer haben auch nicht gefehlt...
Die Auferstehungsbotschaft hatte dieses Jahr eine besondere Bedeutung mit fast 30.000 Japanern die durch die Tsunami im März ums Leben kamen, den vielen Nachbeben und dem extra Stress, den einzelne durch die Stromausfälle hatten. In die Angst dieser Welt sprach Jesus an Ostern "Friede sei mit Euch!" Dieser Friede gilt auch besonders seiner Gemeinde in Japan in diesen stürmischen Zeiten.

Dienstag, 19. April 2011

Zurück zum Alltag - aber doch nicht so leicht...

Letzten Donnerstag konnte ich meine Familie in Sapporo abholen. Dies war zwar der billigste Flug, den wir auf die schnelle vor fünf Wochen buchen konnten, ist aber für uns wirklich nicht der beste Flughafen, da sich die Reise dadurch nochmals um 10 Stunden verlängert hat (Autobahn und Fähre nach Aomori). Wir sind froh, dass die Trennungszeit vorbei ist, und wir wieder gemeinsam hier in Japan unterwegs sein können.
Die größte Hürde bei der Einreise und in den letzten Tagen waren Probleme mit Heikes Visum. Einige Tage vor dem Erdbeben hatten wir die Verlängerung unserer Visa beantragt. In die zweiwöchige Bearbeitungszeit fiel nun Heikes Rückreise, so dass ihr altes Visum in Deutschland auslief. Trotz einer Sonderregelung für diesen speziellen Fall, machte der Beamte am Flughafen viele Probleme. Heike bekam nur ein Besuchervisum, das wir am Montag wieder umschreiben lassen mussten. Heute waren wir einige Stunden auf der Stadtverwaltung, um wiederum eine neue Ausländerkarte zu beantragen, da diese ebenfalls einbehalten wurde.
Daneben galt es Aviel für die Schule vorzubereiten. Vor Montag musste er noch die Hausaufgaben der Frühlingsferien machen und etwas Lernstoff der ersten Woche nachholen. Auch gab es den üblichen japanischen Papierkrieg zum Schuljahresbeginn, bzw. Kindergartenbeginn zu erledigen. Die Kinder fühlen sich wieder wohl und freuen sich wieder, mit ihren japanischen Freunden zu spielen.
Die Schule hat uns auch sonst wieder im Griff. Am Ostersonntag hat Aviel einen normalen Schultag, da der Augenarzt kommt und dies nur Sonntags möglich ist. Am Ostermontag ist ein Besuchstag für die Eltern, an dem wir Aviel, in einer Stunde in seiner Klasse life erleben können. Allerdings wird die Zeit auch genutzt, die Eltern auf ihre Pflichten hinzuweisen, damit sich die Kinder richtig Verhalten und die maximale Leistung bringen.
Das aber doch noch nicht alles beim Alten ist, merkt man sehr bald. Der Ehemann unserer Klavierlehrerin hatte einen Monat keine Arbeit wegen dem Erdbeben. Im Supermarkt bleibt es herausfordernd Milch und Joghurt zu kaufen, da diese ausverkauft sind oder nur rationiert angeboten werden (1l pro Person). Das Reisen im Land bleibt schwierig, da der Schinkansen zwischen Aomori nach Tokyo noch nicht wieder eröffnet ist. Nächste Woche werde ich nun erstmals mit dem Nachtbus zu Sitzungen von OMF international reisen.

Auch im Land versucht man mit allen Kräften den Alltag wieder herzustellen. Dies ist jedoch oft sehr schwierig.
110 Schulen haben ihre Gebäude verloren und mussten in anderen Gebäuden unterkommen. Oft sind 60 Schüler in einem Klassenzimmer.
Fischer versuchen ihre Boote und Netze wieder flott zu bekommen, aber wie lange wird es dauern bis die Häfen wieder zu benutzen sind?
Nach fünf Wochen in Massenunterkünften sind viele Japaner in ihre Häuser zurückgekehrt, obwohl sie dort kein Strom und Wasser haben. Viele benutzen Stromgenerationen, die mit Benzin betrieben sind. Leider gab es in den letzten Tagen einige CO2-Vergiftungen, da Leute diese in ungelüfteten Räumen laufen ließen.
Die bevorstehende Regenzeit wird mit Sorgen erwartet. Vor dem Erdbeben gab es in Tohoku 31.000 Stellen, bei denen potentielle Erdrutsche möglich sind. Diese werden normalerweise nach jedem Erdbeben mit Stärke 5 oder höher kontrolliert. Mit den vielen Nachbeben und den dringenderen Problemen vor Augen, kann dies im Moment nicht geschehen. Gestern sind nach starken Regenfällen Häuser verschüttert worden, 5 Menschen starben.
Durch die Tsunami hat sich das Land an der Küste 70 cm gesenkt. Die Hochwassergefahr ist dort ebenfalls um ein vielfaches gestiegen.
Ein großes Anliegen bleibt, einfache Häuser zu errichten, damit Familien vorübergehend etwas Privatspähre haben. Dabei ist jedoch die Frage, wo man diese aufstellen kann. In der Ebene nahe am Meer ist Platz, aber die Tsunamigefahr bleibt dort weiterhin bestehen. Es sind Überlegungen da, ins Gebirge hinein zu gehen, aber das bedeutet natürlich einen enormen Aufwand, Plateaus zu erstellen und zugänglich zu machen.

Inmitten dieser Sorgen und Nöte feiern wir als Gemeinde diese Woche Ostern. Die Osterbotschaft wird dabei noch relevanter als zu vor. Denn Christus hat diese Welt überwunden. Er hat den Tod besiegt und lebt. Als Christen haben wir die Verheißung, dass er mit uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt. Christus ist im Leid dabei. Er will helfen beim Wiederaufbau. Aber gleichzeitig hat er einen noch besseren Ort für alle Kinder seines Reiches vorbereitet. Wenn wir an ihn glauben, brauchen wir kein Visum, um dort hineinzukommen, sondern werden seine Kinder und bekommen das Bürgerrecht für den Himmel. Was für eine geniale Hoffnung!

Mittwoch, 13. April 2011

Die Lage entspannt sich - trotz Höchststufe 7

Die Meldung, dass das Reaktorunglück von der Atomsicherheitsbehörde nun mit der Stufe 7 bewertet ist, war ein großes Thema in den gestrigen jp. Nachrichten, da bisher nur Tschernobyl in diese Kategorie gefallen ist. Trotzdem heißt dies nicht, dass die Gefahr in den letzten Tagen gestiegen ist. Die Nachrichten der Deutschen Welle schreiben dazu: "Wie die Atomsicherheitsbehörde mitteilte, wird das Unglück auf der internationalen Bewertungsskala nunmehr auf der höchsten Stufe 7 eingeordnet - bislang galt noch Stufe 5. - Diese Kategorie bedeutet grundsätzlich, dass es Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in einem weiten Umfeld gibt. Der Anlagenbetreiber Tepco erklärte indessen, es werde noch geprüft, wie viel Radioaktivität insgesamt austreten könne. Japanische Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die meiste Strahlung gleich zu Beginn der Krise ausgetreten sei. Die Hochstufung bedeute nicht, dass noch immer in hohem Maße Radioaktivität in die Umwelt entweiche." (Deutsche Welle Newsletter 12.4.2011; 18:15 UTC)
Insgesamt entspannt sich die Lage im Land wieder und viele "Ausländer" kommen zurück. Die Reisehinweise der deutschen Botschaft zeigen dies ebenfalls. Noch vor vier Wochen wurde vor Reisen nach ganz Ostjapan gewarnt, letzte Woche waren es die umliegenden Präfekturen um Fukushima und seit gestern warnt die Botschaft "nur noch" von Aufenthalten im Umkreis von 70 Kilometern (http://www.tokyo.diplo.de/). Die deutsche Schule Yokohama plant ab 18. April den Schulbetrieb wieder aufzunehmen, die Schulleitung ist dazu gestern nach Japan zurückgekehrt.
Viele internationale Schulen im Großraum Tokyo haben den Schulbetrieb normal weitergeführt, da das Risiko von anderen Botschaften geringer eingeschätzt wurde als von Deutschland.
Auch meine Familie wird wie geplant, heute nach Japan zurückreisen. Wir wohnen etwa 400 km von dem Reaktor entfernt, so dass wir uns keine Sorgen machen müssen.
Als OMF international (ÜMG) beschäftigt uns in den letzten Wochen weniger die Frage der eigenen Sicherheit, als die Frage, wie wir langfristig im Krisengebiet helfen können. Unser Felddirektor ist dazu gerade zwischen Fukushima und Iwate Präfektur unterwegs. In Zusammenarbeit mit den japanischen Gemeinden wollen wir verstärkt Jesu Hoffnung in dieses Gebiet bringen. Über die Organisation C.R.A.S.H., mit der ich in den letzten Wochen ebenfalls in Iwate zusammengearbeitet habe, werden in den nächsten Wochen weiterhin vor allem japanische Freiwillige mithelfen, die Not zu lindern. Die Hilfe sieht dabei von Stadt zu Stadt anders aus. In manchen Städten heißt es praktisch, Hand anzupacken, Häuser entrümpeln, Schlamm entsorgen und zu putzen. Andere Städte sind nach wie vor mit den vielen Menschen in den Notunterkünften überfordert und brauchen Unterstützung in der täglichen Versorgung von Tausenden von Menschen. Eine Stadt von 30.000 Einwohnern in Iwate muss täglich für 10.000 Menschen Mahlzeiten zur Verfügung stellen. Was für ein logistischer Aufwand ist dazu nötig.
Andere Städte kämpfen noch darum, den Schulbetrieb wieder aufzunehmen, so dass die Kinder wieder normale Strukturen haben und die Eltern mehr Zeit haben, sich dem Wiederaufbau zu widmen.

Sonntag, 10. April 2011

Weltkulturerbe Goishi bleibt von der Tsunami unberührt

Heute ist Sonntag. Deshalb habe ich, nachdem ich in der kleinen Baptistengemeinde gepredigt habe, etwas Abstand von der Zerstörung und dem Fischgestank (zwischen dem Müll sind auch viele verrottete Fische) gesucht. Geradeeinmal 15 km von Ofunato ist ein Naturschutzgebiet entlang der Küste mit steilen Kliffs und massiven Felsen im Wasser. Ich war gespannt, ob die Tsunami auch hier gewütet hatte. Auf dem Weg hierher sah ich die übliche Zerstörung, aber da das Gelände hier steil abfallend ist und sowieso fast nur aus Felsen besteht, ist es hier nach wie vor wie an einem Urlaubsort. Seit Erschaffung der Welt haben diese Felsen wohl schon manche größere Welle über sich schwappen gesehen. Wie recht hat doch die Bibel, die den Menschen als vergänglich beschreibt. Wie schnell sind doch alle unsere großartigen Leistungen vernichtet. Wie schnell ist unser Leben vorbei und wir werden vergessen. Ganz anders unser ewiger Vater, dessen Werke bestand haben und selbts wenn diese Erde vergeht, bleibt ER für immer.
Im Gottesdienst heute morgen waren drei Frauen von vier Gemeindegliedern. In dieser Stadt mit 40.000 Einwohnern gibt es noch eine kleine andere evangelische Gemeinde und eine griechisch-orthodoxe Gemeinde. Ob es wohl auf 1.000 Einwohner einen Christen gibt? Ich glaube es kaum. Durch die Tsunami kommen gerade viele Christen aus ganz Japan, um zu helfen. Iwate ist bisher die Präfektur mit den wenigsten Gemeinden im Verhältnis auf die Einwohner. Außerdem arbeitete bisher kein einziger Missionar in diesem Gebiet. Ob die Hilfsbereitschaft langfristig anhalten wird? Betet mit, dass in den nächsten Jahren hier Gemeinden entstehen können.
Herzliche Grüße aus Iwate!
Armin

PS: Entschuldigt bitte die vielen Rechtschreibfehler der letzten Einträge. Mit dem kleinen Bildschirm des Iphones kann ich kaum sehen, was ich schreibe...

Freitag, 8. April 2011

erneutes starkes Erdbeben und Tsunamiwarnung

Heute Nacht kurz vor Mitternacht wurden wir durch ein Schütteln geweckt. Ein Erdbeben mit der Stärke 7.4 erschütterte erneut die Tohoku Region. Da wir in dem Gebiet sind, das vor wenigen Wochen überschwemmt wurde. Galt es schnell zu handeln. Zuvor jedoch mussten wir abwarten, bis das Beben sich etwas beruhigte. In dieser Stärke hatte ich bisher keins erlebt. Man hörte richtig die Erde brummeln. John und ich schnappten schell ein paar Sachen die greifbar waren, zogen uns an und los ging es, raus aus dem tiefer gelgenen Teil der Stadt so lange es noch mit dem Auto möglich war. Nach 10 Minuten Fahrt waren wir bereits im Bergland. Da wir jedoch nicht wussten, wie lange die Tsunamiwarnung anhielt entschlossen wir, dass wir die 60 Minuten nach Tono fahren, wo ein "Base Camp" von Crash ist. Dort konntenn wir dann übernachten. Als Vorsichtsmassnahme sind wieder die Atomkraftwerke in der Region abgestellt und so ist der ganze Norden wieder einmal ohne Strom. In der Gemeinde hatten wir somit knapp 12 Stunden verfügbare Elektrizität und müssen heute wohl wieder den Generator anschmeißen.

Donnerstag, 7. April 2011

Ein Nacht wie in einer Notunterkunft

Seit Dienstagabend bin ich wieder in der Präfektur Iwate. Diesmal für eine Woche bevor meine Familie nach Japan zurück kommt. Die erste Nacht war spannend, da wir in der Baptistengemeinde in Ofunato campiert haben. Es fehlen nach wie vor die Innenwände und bis heute gab es auch kein Strom. Dazu kam, dass ein Fenster noch kaputt ist, so dass die Nacht eine kalte Angelegenheit wurde. Bereits um 19.00 Uhr war es auf 5 C abgekühlt. Ein Mitmissionar schnarchte die Nacht hindurch, so dass es nicht sehr erholsam war. Diese Situation hat mich etwas besser mit den vielen Menschen in der Gegend, die in Notunterkünften untergekommen sind, mitfühlen lassen. Schon seit mehr als drei Wochen haben sie keine Privatsphäre mehr. Die Dinge, die am meisten gesucht werden, sind neue Unterwäsche und Hilfsmittel, um Wäsche zu waschen. In einem Ort wurden alle kleinen Massenquartiere zur besseren Versorgung in zwei Große zusammengelegt. 400 durften ins Hotel, 300 schlafen zusammen in einer Turnhalle.
In den Tagen vor Ostern, erinnert mich dies daran, dass Jesus auch mit diesen Menschen mitleiden kann, da er selbst aller Privatsphäre beraubt wurde und nackt am Kreuz gedemütigt wurde. Er weiss, was es heißt auf der Flucht zu sein und nur temporär unterzukommen ("...der Menschensohn hat nichts, da er sein Haupt niederlegen kann!"
Gestern durfte ich erleben, dass Gott selbst kleine Dinge zu seiner Ehre nutzen kann. Der Besitzer der Englischschule, bei denen ich letzte Wocehe 3 Stunden mitgeholfen habe, hat uns ein kleines Apartment zum Übernachten angeboten. So war diese Nacht wesentlich besser. Voraussichtlich können wir diesen Ort auch in den nächsten Monaten für freiwillige Helfer nutzen.
Ein Gebetsanliegen bleibt es, dass weitere Zentren für CRASH eröffnet werden können, von denen aus die vielen registrierten freiwilligen Helfer eingesetzt werden können. Auch als ÜMG (OMF Japan) sind wir am Fragen, wie wir in den nächsten Monaten vermehrt in dieser Region weiterarbeiten können. Da wir schon lange Pläne haben zwischen Sendai und Aomori eine weitere Arbeit zu beginnen, wäre es nun eine gute Gelegenheit. Allerdings bleibt die große Frage: "Wen können wir senden?"
(über Iphone gepostet von Ofunato/Iwate)

Sonntag, 3. April 2011

Perspektive aus Kanto

Am Freitag konnte ich nochmals in der Gemeinde in Ofunato etwas weiterarbeiten. Danach fuhr ich mit Martins Lastwagen nach Hause, was dann doch fast 6 Stunden dauerte.
Gestern kam ich nach Kanto, um in einer Gemeinde in Yokohama zu predigen. Die drei Tage stellen sich nun doch intensiver heraus, als ich dachte. Heute war ich nach dem Gottesdienst noch beim ersten Gottesdienst einer Gemeindeneugründung dabei. Diese wird als Tochtergemeinde von einer großen Gemeinde in Yokohama im Tsuzuki Stadtbezirk gestartet. Es war sehr ermutigend zu sehen, wie viele Gemeindeglieder diesen Start unterstützen möchten und die Leidenschaft des japanischen Gemeindegründers zu sehen. Möge Gott seine Arbeit segnen. Morgen ist ein OMF Gebetstag, ein Kurzseminar und eine außerordentliche Sitzung des OMF Komitees Honshu. Möge Gott Weisheit geben wie wir in diesen nächsten Monate unsere Kraft bündeln können, und in den betroffenen Gebieten praktisch mithelfen können. 
Hier in der Tokyo Gegend wird wie in ganz Ostjapan (Westjapan ist anders da der Strom dort 60 Hz hat und somit nicht hierher importiert werden kann.) Strom gespart. Reklameschilder sind nicht mehr beleuchtet, Geschäfte nutzen weniger Lampen, viele Rolltreppen stehen still und die Züge fahren nicht mehr so regelmäßig. Auch gibt es an den Werktagen geplante Zeiten, in denen der Strom für einige Stunden abgestellt wird. 
Vorhin gab es wieder eine Erdbebenwarnung, und so standen die Züge für einige Minuten still bis das Beben vorbei war. Sehr ungewöhnlich, da die Züge hier so gut wie nie Verspätung haben. 
Gerade fahre ich am neuen Sky-Tree vorbei, ein Fernsehturm, der nun schon über 600 Meter gewachsen ist. Hoffentlich überschätzen sich die Erbauer bei diesem Projekt nicht ebenfalls, wie sie es bei der Sicherheit der Atomkrafwerke, der Tsunami-Schutzmauern, usw. getan haben. In Tokio wird ebenfalls ein großes Erdbeben in den nächsten Jahren erwartet, da sich die Spannung der Erdplatten etwa alle 60 Jahre durch ein großes Erdbeben löst. 
In der Gemeinde ging es etwas um die Frage, wie sich die Leute mit der drohenden Gefahr von Fukushima fühlen. Erstaunlicherweise waren die meisten recht ruhig. Eine Sorge einer Kindergärtnerin war, dass langsam das Milchpulver für Babies knapp wird und man mit dem Wasser etwas aufpassen muss. Ein anderer hatte den Eindruck, dass ja Yokohama doch noch etwas weiter entfernt ist als Tokio. Wieder ein anderer sagte, dass Japan die Atomkraft braucht, da sie ja keine natürlichen Ressourcen zur Stromerzeugung haben. Generell nimmt man die mögliche Verstrahlung und ihre Folgen eher in Kauf, ist aber nicht panisch wie in vielen Ländern, die gar nicht betroffen sind. Einige kennen jedoch auch Bekannte, die ihre Kinder zu den Großeltern nach Westjapan für die Frühlingsferien geschickt haben.