Mittwoch, 13. April 2011

Die Lage entspannt sich - trotz Höchststufe 7

Die Meldung, dass das Reaktorunglück von der Atomsicherheitsbehörde nun mit der Stufe 7 bewertet ist, war ein großes Thema in den gestrigen jp. Nachrichten, da bisher nur Tschernobyl in diese Kategorie gefallen ist. Trotzdem heißt dies nicht, dass die Gefahr in den letzten Tagen gestiegen ist. Die Nachrichten der Deutschen Welle schreiben dazu: "Wie die Atomsicherheitsbehörde mitteilte, wird das Unglück auf der internationalen Bewertungsskala nunmehr auf der höchsten Stufe 7 eingeordnet - bislang galt noch Stufe 5. - Diese Kategorie bedeutet grundsätzlich, dass es Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in einem weiten Umfeld gibt. Der Anlagenbetreiber Tepco erklärte indessen, es werde noch geprüft, wie viel Radioaktivität insgesamt austreten könne. Japanische Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die meiste Strahlung gleich zu Beginn der Krise ausgetreten sei. Die Hochstufung bedeute nicht, dass noch immer in hohem Maße Radioaktivität in die Umwelt entweiche." (Deutsche Welle Newsletter 12.4.2011; 18:15 UTC)
Insgesamt entspannt sich die Lage im Land wieder und viele "Ausländer" kommen zurück. Die Reisehinweise der deutschen Botschaft zeigen dies ebenfalls. Noch vor vier Wochen wurde vor Reisen nach ganz Ostjapan gewarnt, letzte Woche waren es die umliegenden Präfekturen um Fukushima und seit gestern warnt die Botschaft "nur noch" von Aufenthalten im Umkreis von 70 Kilometern (http://www.tokyo.diplo.de/). Die deutsche Schule Yokohama plant ab 18. April den Schulbetrieb wieder aufzunehmen, die Schulleitung ist dazu gestern nach Japan zurückgekehrt.
Viele internationale Schulen im Großraum Tokyo haben den Schulbetrieb normal weitergeführt, da das Risiko von anderen Botschaften geringer eingeschätzt wurde als von Deutschland.
Auch meine Familie wird wie geplant, heute nach Japan zurückreisen. Wir wohnen etwa 400 km von dem Reaktor entfernt, so dass wir uns keine Sorgen machen müssen.
Als OMF international (ÜMG) beschäftigt uns in den letzten Wochen weniger die Frage der eigenen Sicherheit, als die Frage, wie wir langfristig im Krisengebiet helfen können. Unser Felddirektor ist dazu gerade zwischen Fukushima und Iwate Präfektur unterwegs. In Zusammenarbeit mit den japanischen Gemeinden wollen wir verstärkt Jesu Hoffnung in dieses Gebiet bringen. Über die Organisation C.R.A.S.H., mit der ich in den letzten Wochen ebenfalls in Iwate zusammengearbeitet habe, werden in den nächsten Wochen weiterhin vor allem japanische Freiwillige mithelfen, die Not zu lindern. Die Hilfe sieht dabei von Stadt zu Stadt anders aus. In manchen Städten heißt es praktisch, Hand anzupacken, Häuser entrümpeln, Schlamm entsorgen und zu putzen. Andere Städte sind nach wie vor mit den vielen Menschen in den Notunterkünften überfordert und brauchen Unterstützung in der täglichen Versorgung von Tausenden von Menschen. Eine Stadt von 30.000 Einwohnern in Iwate muss täglich für 10.000 Menschen Mahlzeiten zur Verfügung stellen. Was für ein logistischer Aufwand ist dazu nötig.
Andere Städte kämpfen noch darum, den Schulbetrieb wieder aufzunehmen, so dass die Kinder wieder normale Strukturen haben und die Eltern mehr Zeit haben, sich dem Wiederaufbau zu widmen.

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