Sonntag, 3. April 2011

Perspektive aus Kanto

Am Freitag konnte ich nochmals in der Gemeinde in Ofunato etwas weiterarbeiten. Danach fuhr ich mit Martins Lastwagen nach Hause, was dann doch fast 6 Stunden dauerte.
Gestern kam ich nach Kanto, um in einer Gemeinde in Yokohama zu predigen. Die drei Tage stellen sich nun doch intensiver heraus, als ich dachte. Heute war ich nach dem Gottesdienst noch beim ersten Gottesdienst einer Gemeindeneugründung dabei. Diese wird als Tochtergemeinde von einer großen Gemeinde in Yokohama im Tsuzuki Stadtbezirk gestartet. Es war sehr ermutigend zu sehen, wie viele Gemeindeglieder diesen Start unterstützen möchten und die Leidenschaft des japanischen Gemeindegründers zu sehen. Möge Gott seine Arbeit segnen. Morgen ist ein OMF Gebetstag, ein Kurzseminar und eine außerordentliche Sitzung des OMF Komitees Honshu. Möge Gott Weisheit geben wie wir in diesen nächsten Monate unsere Kraft bündeln können, und in den betroffenen Gebieten praktisch mithelfen können. 
Hier in der Tokyo Gegend wird wie in ganz Ostjapan (Westjapan ist anders da der Strom dort 60 Hz hat und somit nicht hierher importiert werden kann.) Strom gespart. Reklameschilder sind nicht mehr beleuchtet, Geschäfte nutzen weniger Lampen, viele Rolltreppen stehen still und die Züge fahren nicht mehr so regelmäßig. Auch gibt es an den Werktagen geplante Zeiten, in denen der Strom für einige Stunden abgestellt wird. 
Vorhin gab es wieder eine Erdbebenwarnung, und so standen die Züge für einige Minuten still bis das Beben vorbei war. Sehr ungewöhnlich, da die Züge hier so gut wie nie Verspätung haben. 
Gerade fahre ich am neuen Sky-Tree vorbei, ein Fernsehturm, der nun schon über 600 Meter gewachsen ist. Hoffentlich überschätzen sich die Erbauer bei diesem Projekt nicht ebenfalls, wie sie es bei der Sicherheit der Atomkrafwerke, der Tsunami-Schutzmauern, usw. getan haben. In Tokio wird ebenfalls ein großes Erdbeben in den nächsten Jahren erwartet, da sich die Spannung der Erdplatten etwa alle 60 Jahre durch ein großes Erdbeben löst. 
In der Gemeinde ging es etwas um die Frage, wie sich die Leute mit der drohenden Gefahr von Fukushima fühlen. Erstaunlicherweise waren die meisten recht ruhig. Eine Sorge einer Kindergärtnerin war, dass langsam das Milchpulver für Babies knapp wird und man mit dem Wasser etwas aufpassen muss. Ein anderer hatte den Eindruck, dass ja Yokohama doch noch etwas weiter entfernt ist als Tokio. Wieder ein anderer sagte, dass Japan die Atomkraft braucht, da sie ja keine natürlichen Ressourcen zur Stromerzeugung haben. Generell nimmt man die mögliche Verstrahlung und ihre Folgen eher in Kauf, ist aber nicht panisch wie in vielen Ländern, die gar nicht betroffen sind. Einige kennen jedoch auch Bekannte, die ihre Kinder zu den Großeltern nach Westjapan für die Frühlingsferien geschickt haben. 

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