Dienstag, 19. April 2011

Zurück zum Alltag - aber doch nicht so leicht...

Letzten Donnerstag konnte ich meine Familie in Sapporo abholen. Dies war zwar der billigste Flug, den wir auf die schnelle vor fünf Wochen buchen konnten, ist aber für uns wirklich nicht der beste Flughafen, da sich die Reise dadurch nochmals um 10 Stunden verlängert hat (Autobahn und Fähre nach Aomori). Wir sind froh, dass die Trennungszeit vorbei ist, und wir wieder gemeinsam hier in Japan unterwegs sein können.
Die größte Hürde bei der Einreise und in den letzten Tagen waren Probleme mit Heikes Visum. Einige Tage vor dem Erdbeben hatten wir die Verlängerung unserer Visa beantragt. In die zweiwöchige Bearbeitungszeit fiel nun Heikes Rückreise, so dass ihr altes Visum in Deutschland auslief. Trotz einer Sonderregelung für diesen speziellen Fall, machte der Beamte am Flughafen viele Probleme. Heike bekam nur ein Besuchervisum, das wir am Montag wieder umschreiben lassen mussten. Heute waren wir einige Stunden auf der Stadtverwaltung, um wiederum eine neue Ausländerkarte zu beantragen, da diese ebenfalls einbehalten wurde.
Daneben galt es Aviel für die Schule vorzubereiten. Vor Montag musste er noch die Hausaufgaben der Frühlingsferien machen und etwas Lernstoff der ersten Woche nachholen. Auch gab es den üblichen japanischen Papierkrieg zum Schuljahresbeginn, bzw. Kindergartenbeginn zu erledigen. Die Kinder fühlen sich wieder wohl und freuen sich wieder, mit ihren japanischen Freunden zu spielen.
Die Schule hat uns auch sonst wieder im Griff. Am Ostersonntag hat Aviel einen normalen Schultag, da der Augenarzt kommt und dies nur Sonntags möglich ist. Am Ostermontag ist ein Besuchstag für die Eltern, an dem wir Aviel, in einer Stunde in seiner Klasse life erleben können. Allerdings wird die Zeit auch genutzt, die Eltern auf ihre Pflichten hinzuweisen, damit sich die Kinder richtig Verhalten und die maximale Leistung bringen.
Das aber doch noch nicht alles beim Alten ist, merkt man sehr bald. Der Ehemann unserer Klavierlehrerin hatte einen Monat keine Arbeit wegen dem Erdbeben. Im Supermarkt bleibt es herausfordernd Milch und Joghurt zu kaufen, da diese ausverkauft sind oder nur rationiert angeboten werden (1l pro Person). Das Reisen im Land bleibt schwierig, da der Schinkansen zwischen Aomori nach Tokyo noch nicht wieder eröffnet ist. Nächste Woche werde ich nun erstmals mit dem Nachtbus zu Sitzungen von OMF international reisen.

Auch im Land versucht man mit allen Kräften den Alltag wieder herzustellen. Dies ist jedoch oft sehr schwierig.
110 Schulen haben ihre Gebäude verloren und mussten in anderen Gebäuden unterkommen. Oft sind 60 Schüler in einem Klassenzimmer.
Fischer versuchen ihre Boote und Netze wieder flott zu bekommen, aber wie lange wird es dauern bis die Häfen wieder zu benutzen sind?
Nach fünf Wochen in Massenunterkünften sind viele Japaner in ihre Häuser zurückgekehrt, obwohl sie dort kein Strom und Wasser haben. Viele benutzen Stromgenerationen, die mit Benzin betrieben sind. Leider gab es in den letzten Tagen einige CO2-Vergiftungen, da Leute diese in ungelüfteten Räumen laufen ließen.
Die bevorstehende Regenzeit wird mit Sorgen erwartet. Vor dem Erdbeben gab es in Tohoku 31.000 Stellen, bei denen potentielle Erdrutsche möglich sind. Diese werden normalerweise nach jedem Erdbeben mit Stärke 5 oder höher kontrolliert. Mit den vielen Nachbeben und den dringenderen Problemen vor Augen, kann dies im Moment nicht geschehen. Gestern sind nach starken Regenfällen Häuser verschüttert worden, 5 Menschen starben.
Durch die Tsunami hat sich das Land an der Küste 70 cm gesenkt. Die Hochwassergefahr ist dort ebenfalls um ein vielfaches gestiegen.
Ein großes Anliegen bleibt, einfache Häuser zu errichten, damit Familien vorübergehend etwas Privatspähre haben. Dabei ist jedoch die Frage, wo man diese aufstellen kann. In der Ebene nahe am Meer ist Platz, aber die Tsunamigefahr bleibt dort weiterhin bestehen. Es sind Überlegungen da, ins Gebirge hinein zu gehen, aber das bedeutet natürlich einen enormen Aufwand, Plateaus zu erstellen und zugänglich zu machen.

Inmitten dieser Sorgen und Nöte feiern wir als Gemeinde diese Woche Ostern. Die Osterbotschaft wird dabei noch relevanter als zu vor. Denn Christus hat diese Welt überwunden. Er hat den Tod besiegt und lebt. Als Christen haben wir die Verheißung, dass er mit uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt. Christus ist im Leid dabei. Er will helfen beim Wiederaufbau. Aber gleichzeitig hat er einen noch besseren Ort für alle Kinder seines Reiches vorbereitet. Wenn wir an ihn glauben, brauchen wir kein Visum, um dort hineinzukommen, sondern werden seine Kinder und bekommen das Bürgerrecht für den Himmel. Was für eine geniale Hoffnung!

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