Freitag, 24. Juni 2011

Die "March 11"-Katastrophe hat weitere Folgen

Japan steht immer noch mitten in den Herausforderungen, die dreifach Katastrophe vom März in den Griff zu bekommen. Daneben gehen die Nachbeben weiter. So hat es diese Woche am Mittwochabend und Donnerstagmorgen nochmals recht kräftig hier oben in Aomori gewackelt. Das eine Erdbeben hatte wieder eine Stärke von 6,4. Eine gute Übersicht der Nachbeben der letzten Woche findet man auf folgender Webseite: Erdbebenübersicht
Eine große Sorge zur Zeit sind die zunehmenden Selbstmorde unter den Überlebenden in den betroffenen Gebieten.
Die Japan Times berichtet (http://search.japantimes.co.jp/cgi-bin/nn20110623f1.html) von einem Milchbauern in Fukushima der mit Kreide an die Wand des Kuhstalls folgende Botschaft geschrieben hat: "Ach, wenn es doch bloss kein Atomreaktor gäbe!" Sein Bauernhof liegt 45km vom haverierten Atomkraftwerk entfernt und deshalb konnte er seine Milch nicht mehr verkaufen. Dies führte dazu, dass er seine Kühe schlachten musste und dann selbst seinem Leben ein Ende setzte. "Ich habe die Energie verloren, weiter zu machen.", waren seine letzten Worte.
Das ist kein Einzelfall. Ein Gemüsebauer, endete sein Leben, nachdem Radioaktivität in seinen Feldern nachgewiesen wurde. In Iwate gibt es Fälle von Selbstmord, von Männern, deren Firma durch die Tsunami weggeschwemmt wurde.
Ein Mann konnte es nicht ertragen, dass seine Frau und Kinder gestorben sind und er als einziger verschont wurde.
Die Situation hat sich zwar etwas beruhigt, aber die Verantwortlichen machen sich Sorgen über die langzeitlichen Auswirkungen der Katastrophe.
Zur Zeit ziehen viele Leute aus den Massenunterkünften in temporäre Wohnungen. Dieser Übergang fällt aber manchen sehr schwer, da sie die letzten Monate mit anderen Betroffenen verbracht haben, die ihre Situation verstanden haben. Nun mit der Situation alleine klar zu kommen, ist für manche sehr schwierig. Ein alter Mann, der in einer Massenunterkunft wohnt, sagt: "Ich bin allein, aber die anderen Leute hier geben mir Halt. Ich bin sehr dankbar, wenn mir eine Wohnung angeboten wird, solange ich solche Menschen, um mich herum wohnen habe."
"Unser Ziel ist es Vorsorge zu betreiben, dass die Menschen, die Obdachlos geworden sind, nicht in Depressionen und letztendlich Selbstmord fallen."

Wir sind dankbar, dass wir als ÜMG mithelfen können im Gespräch mit den Menschen zu bleiben. Der Sohn unseres Teamleiters Micah konnte letzte Woche mit einem mobilen Café beginnen. In seinem Auto hat er ein Zelt, Stühle und Tische, die er in kurzer Zeit als Café aufbauen kann. Neben kostenlosen Getränken und Kuchen ist es natürlich ein Hauptziel, Japanern einen Ort zu geben, an dem sie zusammen kommen können, um Auszutauschen. Außerdem bietet er christliche Ratgeber an, die in dieser Situation helfen können. Aus unserer Gemeinde werden wir diesen Samstag ebenfalls diese Café-Arbeit unterstützen.


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