Freitag, 10. Juni 2011

Kokoro no Care - Sorge für das Herz tragen

"Kokoro no Care" heißt übersetzt "Sorge für das Herz tragen" und ist seit einigen Wochen ein wichtiges Thema in Japan. Drei Monate nach dem Erdbeben ist schon viel passiert, trotzdem sind noch fast 100.000 Menschen in Massenunterkünften. Neben den Herausforderungen des täglichen Lebens, trauern viele um ihre Angehörige. Manche, besonders ältere Menschen, haben Schuldgefühle, dass sie überlebt haben, aber jüngere Familienmitglieder gestorben sind.

In den Nachrichten vorgestern Abend wurde das Schicksal einer jungen Mutter gezeigt. Ihre Tochter war zur Zeit des Erdbebens im Kindergarten. Obwohl der Kindergarten sicher auf einem Hügel war, kam das 6-jährige Mädchen ums Leben, da der Kindergartenleiter die Kinder mit dem Bus nach dem Erdbeben nach Hause schickte. Dieser wurde von der Tsunami erfasst und brannte später aus. Ihre Tochter wäre Anfang April eingeschult worden. So hielt die Mutter ein Bild ihrer Tochter, das mit einer schwarzen Schleife umrahmt war, als die Namen der neuen Erstklässler aufgerufen wurden. Neben ihr stand noch eine Mutter, die anstelle ihres Kindes, ein Bild hielt und mit den Tränen kämpfen musste. Die Mutter kehrte die letzten 3 Monate täglich zur Unglücksstelle zurück, um nach einem Andenken ihrer Tochter zu suchen. Systematisch schaufelte sie in dem verkohlten Sand und Schlamm, und nach mehr als zwei Monaten fand sie ein paar Schuhe ihrer Tochter und ein Überrest eines Bildes, das ihre Tochter gemalt hatte. Nach 100 Tagen möchte sie die Suche beenden, aber sie weiß noch nicht ob sie es kann.

Ein älterer Mann berichtete, dass er weit außerhalb der Tsunamigefahrenzone wohnte und deshalb sein Haus nicht verlassen hatte. Trotzdem erfasste die Welle das Haus und er konnte sich gerade noch in den zweiten Stock retten. Seine Frau wurde von der Welle weggespült und ist seitdem vermisst. Auch er ging tagelang durch die aufgeweichten Sachen und war überglücklich, als er nach einigen Wochen ein Bild seiner vermissten Frau finden konnte.

Heike konnte letzten Samstag an einem Einsatz in Otsuchi teilnehmen, einem Ort an der Küste Iwates, in dem 1623 Menschen umgekommen sind (einschließlich Vermisster). Dort sprach sie mit einer älteren Frau, die nun schon seit dem Erdbeben in einer Notunterkunft lebt. Sie und ihr Mann führten ein Restaurant in der Nähe der Küste. Nach dem starken Erdbeben, wusste die Frau instinktiv, dass eine Tsunami kommen würde und bat ihren Mann, mit ihr zu fliehen. Doch ihr Mann wollte nicht auf sie hören und blieb. Sie schaffte es in letzter Minute in Sicherheit zu kommen, musste aber mit ansehen, wie ihr Haus, in dem sich ihr Mann befand, weggeschwemmt wurde. Bis heute ist er vermisst. Sie erzählte, dass sie nur nachts heimlich weint, weil sonst alle um sie herum auch nicht tapfer sein könnten. Tagsüber setzt sie sich für die anderen Tsunamiopfer ein und kocht für sie. Trotz ihrer Umstände war sie so freundlich und dankbar. Sie freute sich auch darüber, dass das Militär ihrer Notunterkunft nun ein japanisches Bad zur Verfügung gestellt hat, das sie zweimal täglich benutzt.

Drei Beispiele, die zeigen, wie lange es noch für viele dauern wird, diese Katastrophe zu verarbeiten.
C.R.A.S.H., die christliche Hilfsorganisation mit der wir als ÜMG zusammenarbeiten, bildet nun ebenfalls mehr und mehr ehrenamtliche Helfer als Seelsorger aus, die als Freiwillige Menschen helfen möchten, über dieses Trauma hinwegzukommen.

Bitte betet weiterhin für die Japaner!

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